Immer noch den Blues

Ein Heer an Männern der Generation 50 plus, Marke kerniger Kumpeltyp, bevölkert die nicht gerade üppig besetzte Neu-Isenburger Hugenottenhalle. Viele tragen Jeans zu Karohemd, mancher Wagemutige Lederhosen. Vergleichsweise spärlich ist hingegen die Damenwelt vertreten, mitunter genervt-gelangweilt beim holden Gatten untergehakt, die sich nicht recht für das Geschehen erwärmen mögen.

Wird doch jenem Stil gehuldigt, der zwar als Wurzel moderner Popmusik gilt, aber in der dargebotenen Form absoluten Anachronismus verströmt: Blues.

Allzu viele Virtuosen des zwölftaktigen Schemas gibt es ja nicht mehr. Eine aussterbende Gattung, die hoffnungslos mit der hartnäckig am Bewährten festhaltenden Klientel altert. In der Favoritenriege noch lebender Gitarren-Virtuosen liegen stets Jimmy Page, Peter Green, Eric Clapton und Keith Richards weit vorn. Weniger offensichtlich fällt die Wahl auf jenen Gitarristen, der nach dem tragisch frühen Tod von Rory Gallagher Blues aus Irland weiter exportiert: Gary Moore. Dabei steht der 1952 im nordirischen Belfast geborene Saiten-Zauberer hinsichtlich der Virtuosität seinen noch prominenteren Kollegen in nichts nach, wie sein Gastspiel eindrucksvoll unterstreicht.

Ausschließlich seiner Leidenschaft Blues widmet er sich und ignoriert die eigenen Hits, die der nach Erfahrungen in so unterschiedlichen Formationen wie Skid Row, Thin Lizzy, Colosseum II und Baker, Bruce & Moore in einer respektablen Solokarriere seit 1981 erzielte. Mit flinken Fingern prescht er durch Standards, die mitunter vor sechzig, siebzig Jahren ihre Premiere erlebten. Zum Favoriten hat er Muddy Waters erkoren, wenn er sich souverän durch dessen „Walking Through The Park“ und „Got My Mojo Workin’“ bluest. Aber Moore weiß auch um die Qualitäten der Nachahmer: John Mayalls „Have You Heard“ zerdehnt er ebenso zum ausladenden Zehn-Minuten-Opus wie Al Koopers „I Love You More Than You’ll Ever Know“.

Mal auf der Gibson Les Paul, mal auf der Fender Telecaster röhrt Moore seine zähen Riffs, filigranen Licks und beeindruckenden Soli – kann aber nicht verhehlen, dass seine drei Begleiter an Schlagzeug, Bass und Keyboards nur gehobenen Durchschnitt bieten. Auf dem kann er sich allerdings nach Belieben austoben.F. RATHKE

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