Hermann van Veen in der Alten Oper

Inbegriff der Beständigkeit

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Geschichten mit und ohne Musik hat der Niederländer Hermann van Veen mit in die Frankfurter Alte Oper gebracht.

Frankfurt - Man kann Hermann van Veen hassen oder ihn lieben: Kalt lässt der niederländische Sänger mit dem durchdringenden Blick und der klangvollen Stimme niemanden. Von Maren Cornils

Seit vier Jahrzehnten steht van Veen auf der Bühne, hat sich als Schriftsteller, Kinderbuchautor, Unicef-Botschafter, Clown und Kabarettist versucht und unbeirrt Jazz mit Klezmer, Blues mit Kirchenmusik und Country mit Chanson kombiniert – sich selbst und seinem typischen Sound ist er treu geblieben. Und genau diese Beständigkeit, dieses beharrliche Negieren musikalischer Moden ist es wohl auch, das seine Fans schätzen.

In der Frankfurter Alten Oper entführt er sein Publikum mit „Für einen Kuss von Dir“ auf einen Spaziergang durch eine Welt voller Emotionen, in der Trauer und Freude, Leidenschaft und Verzweiflung, Leben und Tod, Liebe und Hass mit all ihren Facetten nah beieinander liegen.

Ob „In unserer Straße“, einer melancholischen Kindheitserinnerung im Country-Gewand, „Ricard“ oder „Küsschen“ – viele Songs, die van Veen an diesem Abend anstimmt, stammen von dem neuen Album, in dem der mittlerweile 68-Jährige die Kraft der Liebe beschwört. Auch von Krankheit und Tod ist die Rede, dann etwa, wenn er in „Das erste Mädchen“ an seine erste große Liebe erinnert, die der Krebs ausgelöscht hat, wenn er fleht „Lüg mich nicht an über das Sterben“ („Lüg mich nicht an“) oder all jene Toten beschwört, die längst das Lebenskarussell vorzeitig verlassen mussten („Ricard“). Begleitet wird der Künstler von einer großartigen Band, darunter die stimmstarke Geigerin Jannemien Cnossen und seine langjährige Begleiterin, die barfüßige Gitarristin Edith Leerkes.

Zwischen seinen zum Teil recht kurzen Songs plaudert van Veen über seinen Vater und dessen verpatzten Theaterauftritt, über seine Flitterwochen in den Alpen – unterlegt mit Jodlern und einem echten Schuhplattler – und die Probleme der Niederländers beim Artikulieren des Wortes „Küsschen“. Van Veen gibt den Clown, wuselt energiegeladen über die Bühne, bearbeitet seine Geige wie ein Wahnsinniger und mokiert sich zwischendrin mit dem für ihn typischen trockenen Witz über die Oper, deren minutenlange Sterbe-Arien er meisterlich imitiert. Kurzum, van Veen tut das, was zu seinem Markenzeichen geworden ist: Er erzählt Geschichten. Banale, zum Teil komische Alltagsstorys und melancholisch-tragische Balladen mit wuchtigen Texten – mal mit, mal ohne Musik.

Er ist ein experimentierfreudiger Spieler, der in keine musikalische Schublade passt und in jedem Genre zuhause ist, ein Kosmopolit, ein Magier. Einer, der die Klaviatur der Musik und der Sprache aus dem Effeff beherrscht und der sein restlos begeistertes Publikum mühelos verzaubert.

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