Inmitten eines Wirbelsturms

Heaven Shall Burn und Parkway Drive in der Stadthalle

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Marcus Bischoff, Sänger der deutschen Band Heaven Shall Burn, bei der Aufforderung zum Tanz.

Offenbach - „Wollt ihr Gas geben?“ Dies fragt der Sänger Marcus Bischoff, als die Menschen in der Stadthalle Offenbach bereits von den beiden Vorgruppen „Northlane“ und „Carnifex“ so vorgeheizt sind, dass seine Band „Heaven Shall Burn“ keine Bange mehr vor Stimmungsschwankungen zu haben braucht. Von Thomas Ungeheuer

Weißes Konfetti fällt auf das Publikum herab, als die Double Bass Drum von Christian Bass mit atemberaubender Geschwindigkeit donnert und die E-Gitarren von Maik Weichert und Alexander Dietz verzerrt und mit brachialer Kraft aus den Boxen dröhnen. Beschwingt lässt der Bassist Eric Bischof dazu seinen Kopf kreisen, so dass seine langen Haare den Rädern einer Windmühle gleichen. Trockeneisnebel schwebt über die Bühne, wild flackern die Schweinwerfer während der Song „Land Of The Upright Ones“ erklingt. Ein Turnschuh fliegt durch den Zuschauerraum, ganz so als wollten ein paar Fans Jagd auf ein aufgeblasenes Kondom machen, das friedlich in der warmen Luft schwebt. .

„Offenbach, habt ihr Kraft für zwei Stunden? Dann tanzt mit mir!“ Das fordert Marcus Bischoff und natürlich tanzen die Fans auf dem Parkett. Und zwar richtig heftig! Auf der Tribüne hingegen genießen die Leute gelassen das Konzert, bei dem man trotz des glasklaren Sounds kaum die Texte von „Heaven Shall Burn“ versteht. Schade, handeln sie doch oft von politischen Themen, dem Kampf gegen Rassismus und für Freiheit. Schon nach einer halben Stunde überlässt das deutsche Quintett den australischen „Parkway Drive“ die Bühne. Aber sie werden noch einmal wieder kommen.

Bilder vom Konzert

Heaven Shall Burn und Parkway Drive in der Stadthalle

Der Metalcore von „Parkway Drive“ wirkt weniger rhythmusbetont, wie der von „Heaven Shall Burn“. Dafür ist er melodischer. Ganz ohne Zweifel ist der Großteil der Konzertbesucher wegen der 2003 in Byron Bay gegründeten Band gekommen. Schon zur Begrüßung heben fast alle im Publikum ihre zur „Mano cornuta“ oder „Pommesgabel“ geformten Hände. Kompositionen wie „Wild Eyes“, „Sleepwalker“ oder „Karma“ erscheinen virtuos und die Rhythmuswechsel reizvoll. Angeheizt von den extrem harten Klängen laufen schon bald etwa zweihundert Fans mitten auf dem Parkett im Kreis. Man denkt an einen Wirbelsturm. Menschen werden auf vielen Händen durch das Publikum getragen. Ab und an erhellen meterhohe Flammen am Bühnenrand die Stadthalle. Es ist heiß. Wiederkehrend wirft der Sänger Luke Kilpatrick Plastikflaschen mit Wasser ins Publikum.

Dann kommt es erneut zu einem fliegenden Wechsel mit „Heaven Shall Burn“. Deren Sänger erzählt, dass sie mit ihrem Fußball-Verein „FC Carl Zeiss Jena“ schon oft in Offenbach gewesen seien, aber immer auf dem Bieberer Berg verloren hätten. Zumindest diesmal können die Thüringer aber einen großen Erfolg mit Nachhause nehmen. Als nach erneut einer halben Stunde wieder die Australier von „Parkway Drive“ die Bühne übernehmen, hinterlassen die Ostdeutschen dem Quintett bereits ein rundherum glückliches Publikum. Von dem verabschieden sich die Australier nach dem insgesamt zweistündigen Konzert mit den besten Wünschen für Weihnachten. Dann wird es vielleicht auch für diese Musiker etwas besinnlicher zugehen.

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