Frühbarocker Liederabend

Sara Mingardo begeistert in der Oper Frankfurt

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Frankfurt - Von der Liebe sang Sara Mingardo, und die betörende Schönheit der frühbarocken Stücke, mit denen die Italienerin ihren Liederabend in der Oper Frankfurt eröffnete, lagen bei der Altistin in bester Verantwortung – so rein, so sanft verziert und dezent glühend gestaltete sie etwa Andrea Falconieris Lieder von Rosen, Haaren, Pupillen, Blicken. Von Axel Zibulski

Der italienische Zeitgenosse des Opern-Erfinders Claudio Monteverdi (1567-1643) erklang in der ersten Hälfte des kleinteiligen, aber dramaturgisch enorm geschlossenen Programms. Sara Mingardo hat sich mit 52 Jahren eine enorme Frische und Leichtigkeit, eine großartige Wendigkeit bis in die dunkel getönten Verzierungen bewahrt. Die Venezianerin gilt als Spezialisten in Sachen Alter Musik – so wie ihre beiden jeweils auch mit kurzen Solo-Beiträgen zu hörenden Begleiter Ivano Zanenghi (Theorbe) und Giorgio Dal Monte. Der Cembalist wechselte erst ganz am Ende des Programms ans Klavier, vor der Ankunft im frühen 19. Jahrhundert (Vincenzo Bellini, „Quando incise su quel marmo“).

Altistin Sara Mingardo sowie ihre Begleiter Giorgio Dal Monte (Cembalo) und Ivano Zenenghi (Theorbe) in der Oper Frankfurt

Die weitgehend chronologisch gehaltene Liedfolge wirkte dabei keineswegs akademisch, bei Kostbarkeiten von Claudio Monteverdi verweilte Sara Mingardo zudem eine Weile. Ihr „Lamento di Arianna“, die Klage der verlassenen Ariadne aus einer im Übrigen verschollenen Oper Monteverdis, war ganz aus der vokalen Gestik, der sprachgenauen Artikulation heraus entwickelt: Kein vordergründiges Dramatisieren in der frühbarocken Oper, viel innige Empfindung stattdessen. Das Publikum wirkte auf ergriffene Weise begeistert.

Auch in den hochbarocken Stücken der zweiten Programmhälfte waren die Verzierungen und Koloraturen, die anderen Sängern virtuoser Selbstzweck sein mögen, enorm unangestrengt eingebunden in Mingardos Ausdruck, in die atmosphärische Dichte ihres Vortrags, zum Beispiel in Arien aus Antonio Vivaldis „Arsilda“ und Georg Friedrich Händels Zauberoper „Alcina“. Hier war Giorgio Dal Monte der umsichtige, delikat begleitende Cembalist.

Noch etwas eindrucksvoller im Leisen hatte sich zuvor Lautenist Ivano Zanenghi (vom unlängst in der Alten Oper zu hörenden „Venice Baroque Orchestra“) an die frühbarocken Gesänge Mingardos angeschmiegt. Die gemeinsame Zugabe aller drei Musiker war ein kleines Lied des aus Busseto stammenden Tarquinio Merula. Auch kleine Dinge können entzücken.

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