Interview mit Rapper

Moses P.: Teufelskreis durchbrochen

Seit gestern gibt es das neue Album von Moses Pelham: „Geteiltes Leid 3“. Es ist der Abschluss einer musikalischen Trilogie, doch nicht das Ende von Moses’ Schaffen. Das Frankfurter Rap-Urgestein spricht im Interview über seine Karriere. Von Niclas Weiland

„Geteiltes Leid“: Moses Pelham im Interview

Rapper und Produzent Moses Pelham hat seine musikalische Trilogie „Geteiltes Leid“ abgeschlossen - 14 Jahre nachdem das erste Album der Trilogie erschienen ist.

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Moses, du machst nun schon seit über 25 Jahren Musik. Stellen wir uns deine Songs als Bestandteile einer lyrischen Hausapotheke vor. Welches Lied hilft gegen Liebeskummer?

Zu Weihnachten rum auf jeden Fall: „So tief drin“ von Glashaus.

Und welcher gegen Selbstzweifel?

„Ultra“ aus dem neuen Album.

Gestern ist dein neues Album „Geteiltes Leid 3“ erschienen. Aus dem ersten Stück „Ich lass’ Dich nicht zurück“ könnte man schließen, dass der Album-Titel nicht unbedingt den Inhalt des Albums wiedergibt. Ist da was dran?

Absolut. „Geteiltes Leid 3“ trug mal den Untertitel „Vom Durchbrechen des Teufelskreises“. Ich will, dass die Trilogie mit einem Happy End aufhört und ich glaube, der einzige Weg, dieses „Leid“ zu überwinden, ist, wie es am Ende von „Bilder“ heißt: „Wer in Freude existieren will, muss den Teufelskreis durchbrechen.“ Da muss eine Änderung in der Haltung stattfinden. Das ist jetzt keine künstlerische Frage, sondern eine menschliche, eine, die ich mir für mich persönlich in meinem Leben gestellt habe und die dann Einzug in die Platte gehalten hat. Denn wovon sonst soll diese Platte handeln, wenn nicht von mir als Mensch?

In deiner ersten Single „Für die Ewigkeit“ sampelst du den Refrain aus dem Song „Koma – Eine Nacht, die niemals endet“ von den Böhsen Onkelz. Was verbindet dich mit den Onkelz? Würdest du dich als Fan bezeichnen?

Ja klar. Ich bin ein richtig heftiger Fan! Nach meiner ersten Platte (Raining Rhymes von 1989, Anm. d. Red.), damals noch auf Englisch, war mir klar, dass wenn irgendjemandem meine Texte so viel bedeuten sollten, wie sie mir bedeuten, sie in der Sprache der Menschen sein müssen. Deutsche Musik habe ich damals aber nur mit Schlager oder Faschingsmusik verbunden. Musik mit guten, ernsthaften deutschen Texten, die auch noch wirklich gut klang, kannte ich nicht. Dann habe ich bei meinem Kumpel Eddy Hartsch zu Hause zufällig das Onkelz-Album „Es ist soweit“ gehört. Das war das erste Mal, dass ich ernsthafte deutschsprachige Musik gehört habe, die mich wirklich berührt hat. Das hat mir gezeigt, dass es eben doch auf Deutsch geht und mich letztendlich dazu motiviert, ab sofort auch deutschsprachige Musik zu machen.

Du strahlst aktuell eine sehr positive Energie aus, als Jurymitglied bei „X Factor“ schaffst du es regelmäßig, klar deine Meinung zu sagen, jedoch nie verletzend zu sein.

Der respektvolle Umgang mit den Menschen, die da auf die Bühne kommen, war für mich Grundbedingung, das überhaupt zu machen. Bei Anfragen von ähnlichen Formaten hatte ich immer das Gefühl, dass die Leute dort dachten „da haben wir einen, der richtig Bock hat, die Leute runterzumachen“. Aber das liegt überhaupt nicht in meiner Natur. Das liegt mir wirklich extrem fern. Ich glaube ich bin in der Wahrnehmung dieser Menschen zu dem Aso geworden, den die in mir sehen, weil ich keinen Bock hab’, diesen Scheiß mitzumachen und dann vielleicht mal sag’: „Pass auf, das kannst du machen mit wem du willst, aber nicht mit mir.“

„X-Factor“ unterscheidet sich also von anderen Casting-Shows?

Ich habe zu Hause kein Fernsehen, aber man sieht ja auf Facebook oder sonstwo im Internet immer mal den einen oder anderen Ausschnitt aus diversen Casting-Shows. Da sieht man teilweise schon Szenen, die menschenverachtend sind. Und damit will ich absolut nichts zu tun haben. Daher rechnete ich bei „X Factor“ zunächst auch mit einem Missverständnis, aber da kam von den Machern der Sendung die klare Aussage: „Nein, wir wollen einfach, dass du deine Meinung sagst, und zwar auf die Art und Weise, wie du das möchtest.“ Wäre so eine Anfrage schon vor zehn Jahren gekommen, hätte ich das auch vor zehn Jahren gemacht.

Früher haftete eher das Image des Rüpel-Rappers an dir. Woher kommt dieser Wandel?

Ich hab’ mich nicht wirklich verändert. Lediglich mit Situationen, die mir missfallen, gehe ich heute etwas anders um. Klingt vielleicht komisch, aber ich halte mich für sehr sensibel und es gibt einfach Situationen, in denen ich mich ungerecht behandelt fühle und da hatte ich eher diesen Hang, sehr deutlich zu machen, dass ich das grad für unangebracht halte. Ich glaub’ da hat sich so ’n bisschen was beruhigt bei mir.

Vor über zehn Jahren hast du dir mit Xavier Naidoo, den du damals zum Star gemacht hast, einen großen Streit geliefert. Heute singt er auf deiner Platte. Wie kam das zustande?

Naja, ich hab’ nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich Xavier für einen der besten, wenn nicht sogar den besten Sänger dieses Landes halte. Ihn dann auf meiner Platte zu haben, ist sicher nicht schädlich, siehe auch „Geteiltes Leid 1“. Der Rest ist wirklich ein menschliches Ding. Wir haben uns bei einem gemeinsamen Freund wiedergetroffen und es hat sich sehr gut angefühlt. Daraus ist auch ein Track entstanden, der wunderbar zu der ganzen Versöhnlichkeit dieses Albums passt.

Wie stehen die Chancen auf ein Versöhnungs-Bierchen mit Stefan Raab?

Wer auch immer mit mir aufrichtig das Gespräch sucht, wird von mir niemals weggeschickt.

Du bist nicht nur Menschen-, sondern auch Tierfreund. Du engagierst dich im Namen der Tierschutzorganisation PETA gegen Tierquälerei in der Ernährungsindustrie. Wie kam es dazu?

Ich lebe seit nunmehr 13 Jahren vegetarisch, wollte das aber bereits lange vorher. Der letzte fehlende Anstoß kam dadurch, dass ich Menschen kennenlernte, die mir vorlebten, dass es ganz einfach ist. Als mich nun die Leute von PETA fragten, dachte ich, dass ich vielleicht auch für den einen oder anderen Menschen der letzte fehlende Anstoß sein kann. Ich hoffe das funktioniert so.

Die Trilogie „Geteiltes Leid“ ist nun vollendet. Ist damit dein Lebenswerk vollbracht und das Ende deines künstlerischen Schaffens eingeläutet? Oder können wir noch mehr von Dir erwarten?

Ich hoffe ehrlich gesagt, noch die eine oder andere Platte machen zu können, bin aber mit „Geteiltes Leid 3“ als Ende der Trilogie so glücklich, dass dies auch insgesamt schöne letzte Worte für mich wären.

Rubriklistenbild: © p/Katja Kuhl

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