Intimes und Inferno

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Eine Sternstunde pianistischer Kunst war beim Pro-Arte-Konzert mit Arcadi Volodos in der Alten Oper Frankfurt zu erleben.

Frankfurt - Eine Sternstunde pianistischer Kunst war beim Pro-Arte-Konzert mit Arcadi Volodos in der Alten Oper Frankfurt zu erleben. Der russische Künstler kombinierte in seinem Programm äußerst Virtuoses, Poetisches und Exzentrisches von Albéniz, Liszt und Schumann. Von Eva Schumann

Mit „Córdoba“, dem vierten Stück der „Cantos de España“ von Albéniz, leitete er den Abend ein. Von den ersten Takten an nahm seine Anschlagskunst den Hörer gefangen. Aus zarten, träumerischen Akkorden entwickelte sich ein wirbelnder Tanz. Klang reize, mitreißende Rhythmen und Polyphonie steigerten sich noch in der Fantasie „La Vega“. Ein ganzes Orchester schien zu musizieren, mit filigraner Ornamentik die Atmosphäre der Alhambra in Granada beschwörend. Bewegung und Gewicht, Melodie und Begleitung waren fein ausbalanciert.

Als wahrer Tastenlöwe zeigte sich Volodos in Liszts Fantasie „Après une lecture de Dante“. Donnernd entführte er mit dem berühmten Motiv in Dantes Hölle und scheute keine Extreme, um die Schrecken des Infernos zu malen. Kraftvoller Zugriff und scheinbar mühelose Technik waren verbunden mit klarer Gestaltung. Faszinierend, wie sich aus den Klangmassen stets die Melodie herausschälte und so die Zusammenhänge übersichtlich machte.

Sehr sympathisch war die Programmdramaturgie: Nicht dem Lisztschen Bravourstück gewährte der Künstler den Schlusseffekt, sondern stellte Schumann-Kompositionen als Höhepunkte ans Ende. Nach der Pause interpretierte Volodos die Humoreske op. 20. Das kaleidoskopartige Gebilde aus grotesken und empfindsamen Einfällen gab seiner reichen Registrierkunst idealen Spielraum. Er kostete die unterschiedlichen Stimmungen aus, ließ die extremen Kontraste und Brüche zur Wirkung kommen und fesselte von Anfang bis Ende.

Der „Faschingsschwank aus Wien“, kurz nach der Humoreske entstanden, ist ein stimmungsreiches, aber formal gebändigteres Werk. Rasant schickte Volodos das kecke Rondo-Thema durch den ersten Satz. Mit unendlicher Ruhe, wie schwebend erklang die Romanze, federleicht das Scherzino.

Mit der ersten Zugabe, dem Vogelstück aus den „Waldszenen“, knüpfte der Pianist an den Schumann-Teil an. Das Publikum hielt ihn zu weiteren fünf Zugaben an, bevor er die Bühne verlassen durfte.

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