Ironische Töne des Frühlings

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Lenz - das sind Markus Jütte, Richard Putz und Christoph von Knobelsdorff.

Einfach nur Lenz nennen sich Richard Putz, Christoph von Knobelsdorff und Markus Jütte, die sich beinahe musikalisch nicht gefunden hätte. Ihr Debütalbum „Augen auf und durch“ überzeugt mit klangvollem Pop und irritierenden Texten. Von Jenny Westphal

Klangvoller deutscher Pop – geht nicht? Geht doch. „Augen auf und durch“ heißt das Debütalbum von Lenz. Hinter dem Popfrühling stecken Richard Putz, Christoph von Knobelsdorff und Markus Jütte, die sich seit Ewigkeiten kennen, aus den Augen verloren hatten, in musikfernen Berufen arbeiteten, sich wieder trafen – und nun musizieren sie gemeinsam.

Auf dem holographischen Cover zeigen sich die Drei als leicht verwechselbare, sich unangepasst gebende Yuppies. Das mehr dahinter steckt, wird mit den ersten Klängen des Openers „Gib mir bescheid“ deutlich. Sie spielen mit Tempiwechseln, überzeugen mit handgemachtem Pop, harmonischen Melodien und Texten, die mit ironischem Unterton und irritierenden Formulierungen fesseln. Man bleibt an einzelnen Zeilen hängen, so wie man an einzelnen Begebenheiten hängen bleibt, sich von manchen Erinnerungen schwer lösen kann.

„Augen auf und durch“heißt das Debütalbum von Lenz.

„Fehlerfreies Leben“ stellt den grassierenden Neid in unserer Scheinwelt bloß, neidisch blicken wir auf die makellose Fassade der anderen und wünschten uns, in ihrer Haut zu stecken, statt unser Leben zu leben, streben wir nach dem anderen. Doch einen ernüchternden Blick hinter die Fassade werfen wir nicht, geschweige denn, dass wir uns mit den Spielarten des Glücks auseinandersetzen und endlich begreifen, dass es nicht ein einziges Rezept, nicht nur eine einzige Art eines glücklichen, erfüllten, lebenswerten Lebens gibt.

Eine herzzerreißende Liebeserklärung ist „Nur alles“, gleichzeitig singt Richard von den ewigen Zweifeln, die Geliebte/der Geliebte fühle nicht in dem selben Maß wie man selbst. Und doch hofft man darauf... Energisch, fordernd klingt er bei „Steh mit mir auf“, einem Abgesang auf die Tücken verpasster Gelegenheiten, wenn man sich in der Zweisamkeit isoliert fühlt, ungehört, unbeachtet.

Unhörbar beeinflusst werde Lenz von den Popgrößen der Vergangenheit und Gegenwart, von den Beatles, Prefab Sprout, Supertramp oder Coldplay, heißt es in der Pressemitteilung ihres Labels noteworks. Doch das Trio klingt auch ein bisschen nach Silly, der Band der unvergessenen Tamara Danz. Auf jeden Fall aber haben die Drei ihren eigenen Sound und ihren eigenen Rhythmus gefunden, beides tut der deutschen Musiklandschaft ausgesprochen gut.

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