Ironischer Rock’n’Roll ohne Revolte

Die Erfolgsgeschichte von Peter Kraus ist erstaunlich. Dabei schien nach einem frühen Aufstieg alles ganz schnell wieder vorbei zu sein. Mitte der Fünfziger Jahre empfahl sich der zum Teenager gereifte Kinderstar als Gegengift zum in Amerika gefeierten Rock’n’Roll . Von Stefan Michalzik

Derweil bei Bill Haleys erstem Gastspiel in Deutschland die Bestuhlung zu Bruch ging, offerierte Kraus Rock’n’Roll ohne Revolte. „Wob-Baba-Lu-Ba“ sang Kraus in der Anverwandlung von „Tutti Frutti“. „A wop-bop-a-loo-bop“ lautet die erste Hälfte des prägnantesten Kreischgesangs der Rockgeschichte in Little Richards Original. Dazwischen liegen Welten.

Die Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst ist ausverkauft. Auf einer späten zweiten Woge seines Erfolgs surft Peter Kraus nach einer Zeit des Überwinterns als Operetten- und Fernsehproduzent, Moderator, später Theater- und Filmschauspieler nun auch schon wieder seit beinahe zwanzig Jahren. Kraus weiß genau, dass seine zweite Erfolgswelle ohne die erste nicht denkbar wäre. Er liefert die alten Hits vom Schlage „Sugar Baby“. Es sind diese Nummern, bei denen das Publikum aus dem Häuschen ist. Dass Kraus sie in Arrangements nach seiner neuen Art präsentiert, stört niemanden.

Was die neue Art anbelangt, ist Peter Kraus dem Nacheifern treu geblieben. Einst übernahm er die Vorlagen von Elvis & Co. und münzte sie zu deutschen Schlagern. Heute schreibt er sich zwar die Texte selber, die Machart aber geht auf den ironiewollenden Stil von Roger Cicero zurück, von dem Kraus auch den dezenten Swing übernommen hat.

Der souveräne Entertainer, mit siebzig Jahren noch immer gut in Form und äußerst geschmeidig in seinen Tanzbewegungen, ist ein Meister der lässigen Attitüde. Es ist die große Show, die er bietet. Lässigkeit und Emphase sind für ihn kein Widerspruch. Wir machen hier mal ordentlich einen drauf, das ist das Versprechen seiner Konzerte. Eine „Botschaft“, die sich seit den frühen Tagen nicht verändert hat.

„Du machst das Frühstück“, bekommt die neue Liebe in einem seiner heutigen Lieder gesagt, „Du spülst das Geschirr - und ich, ich trink’ das Bier“. Die Bestrebungen nach einer Emanzipation der Geschlechter hat allenfalls insoweit ihre Spur auch bei Kraus hinterlassen, als er die Zeilen sorgfältig ironisch unterfüttert und sich vom Typus Macho distanziert.

Mag Peter Kraus sich auch mit der Zeit gewandelt haben, so ist er sich doch immer treu geblieben. Einer, der mit seinem Publikum, das er als „liebe Freunde“ anspricht, gern mal einen drauf macht, im englischsprachigen - Zugabenteil, den „Jailhouse Rock“ singt, an den Fesseln einer artigen Konventionalität freilich nie zu rühren wagen würde. „Rockin’ All Over The World“ sang Kraus zum Schluss: Daraus dürfte nie etwas werden, mag die Karriere auch über das vor drei Jahren begangene Bühnenjubiläum hinaus noch lange anhalten. So rockt man nur in Deutschland.

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