Isländer rocken die Folk-Musik

Offenbach - Island steht im Ruf einer einzigartigen Dichte an Popmusikern. In der Tat treten stetig neue Künstler von der Insel international in Erscheinung, von einer speziellen Klangästhetik lässt sich indes nicht ernstlich sprechen. Von Stefan Michalzik

Auch Sin Fang haben mit derlei nichts im Sinn. Wenn schon regionale Zuschreibungen, dann drängen sich angesichts der Musik der Band, die im Offenbacher Hafen 2 als Sextett aufgetreten ist, Assoziationen zum New Weird America auf. Das neue sonderbare Amerika: Dahinter stehen Bands, die sich auf den psychedelischen Folkpop der späten 60er beziehen. Sänger, Gitarrist und Songwriter Sindri Már Sigfússon hat Sin Fang ursprünglich als Soloprojekt betrieben und das 2009 erschienene Debütalbum „Clangour“ allein im Keller eingespielt.

„Summer Echoes“

Gleich die erste, von polyrhythmischem Klatschen geprägte Nummer des Konzerts stellt klar, dass bei Sin Fang wohlgelaunt musiziert wird. Sigfússons wechselnd durch drei klanglich diversifizierte Mikrofone geschickte Stimme klingt viel herber als auf dem aktuellen zweiten Album „Summer Echoes“, für das er sich bereits Musiker ins Studio geholt hatte. Der Bandsound ist viel harscher, direkter und opulenter. Rauheit und Flockigkeit gehen eine Allianz ein, mit dem Effekt, dass sich Folk als Rock’n’Roll im Geiste präsentiert. Das wirkt animierend frisch und ist nicht mit dem Retrovirus infiziert.

Sóley Stefansdottir kommt auf ihrem gerade erschienenen Solodebüt „We Sink“ mit ihrer dünnen, hohen Stimme und dem verhangenen Zeitlupenklang dem Elfenklischee gefährlich nahe. Im Vorprogramm, sich mit einem Schlagzeuger am E-Piano begleitend, spielt sie Balladen tempobetont, was ebenso gut funktioniert.

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Thomas Siepmann

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