James Blunt in der Festhalle

Schwerelose Balladen

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Herzschmerz-Balladen sind das Metier des britischen Sängers James Blunt, zur Freude des vorwiegend weiblichen Publikums.

Frankfurt - Der britische Schmuse-Barde James Blunt versetzt die gut gefüllte Festhalle in kollektive Verzückung. Der Überflieger probt in der rappelvollen Halle die Mondlandung auf larmoyante Art und schmachtet vor allem seine vielen weiblichen Fans in beängstigende Verzückung. Von Peter Müller

Wie der Mann das hinkriegt und warum das überhaupt so ist - man weiß es nach diesen 90 Minuten mit hochschwebendem Kuschel-Pop zum Hinsetzen nicht wirklich. Punkt 21 Uhr fühlt man sich schon ein wenig wie in Cape Canaveral, anno 1969. Eine sonore Off-Stimme zählt den berühmten Gänsehaut-Countdown runter, im Video fliegt Apollo 11 mit mächtig flammendem Grollen ab, im Hier und Jetzt zerschneidet Laser den dunklen Hallenhimmel - während vier zuvor eher unheroisch hereingetrottete Herren ihre Astronauten-Mission mit „Face The Sun“ starten, dem Song, der das aktuelle Blunt-Album „Moon Landing“ eröffnet.

Passend zum irgendwie, irgendwo, irgendwann vom Himmel gefallenen Titel-Thema haben sich Captain James und seine Crew um Drummer Karl Brazil in olivfarbene Pilotenoveralls der Royal Air Force geworfen - was zwar keinen Sinn macht, aber fesch ausschaut. James Blunt, gerade taufrische 40 geworden, wirkt dagegen eher wie der überaus freundliche KFZ-Mechaniker von nebenan.

Gitarre, Klavier und sogar zur Ukulele

Aber dafür spielt er passabel Klavier. Und Gitarre - ein ganzes Arsenal an E- und Akustik-Klampfen steht da bereit, denn zu jeder Nummer wird gewechselt. Sogar zur Ukulele, die beim fröhlichen „Postcards“ zum Einsatz kommt. Und Blunt singt natürlich auch schön - gefühlige, zuweilen pathetische Befindlichkeits-Balladen wie „Blue On Blue“, „These Are The Words“, „Goodbye My Lover“ oder „Miss Amerika“, das er Whitney Houston widmet. Meist balladiert der verdächtig weiblich klingende Saalchor jeden Refrain mit, oder klatscht wenigstens im Takt, wenn es der hoffnungslose Romantiker denn nicht wie in „I Really Want You“ ausdrücklich untersagt hat.

Es ist nicht sonderlich schwer, den britischen Anti-Star auf die Schippe zu nehmen. Was weniger mit dem ein oder anderen schrägen Falsett-Ton zu tun hat: James Blunt, so sympathisch er sein mag, perpetuiert sein seit dem Überhit „You’re Beautiful“ aufgeklebtes Schnulzensänger-Image auch live mit Vorsatz. In den besten Momenten schrammt er am Kitsch vorbei - in weniger guten badet er fast darin. Und seine „fetzigen“ Uptempo-Songs sind nicht mehr als wohlfeile Rock-Simulation.

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Anders formuliert: Blunt, der im finalen „So Long Jimmy“ zur Händeschüttel-Arie durch die Fan-Reihen sprintet, liebt man - oder er raubt einem den letzten Nerv. Aber das darf man in dem von Mondlandungs-Euphorie infizierten Auditorium selbstverständlich nicht laut sagen.

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