James Morrison in der Stadthalle: Nur das Knistern fehlt

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Sympathisch, gut aussehend und mit vielen Hits gesegnet: Der 27-jährige Brite James Morrison reitet auf der Erfolgswelle.

Offenbach - Der grundsympathische, blendend aussehende, mit zahlreichen Hits gesegnete James Morrison hat die Fans im Moment seines Erscheinens in der Offenbacher Stadthalle sofort auf seiner Seite. Und er liefert perfekt ab. Von Anke Steinfadt

Seine raue, auf angenehme Art heiser klingende Stimme, die sich live etwas heller anhört als aus dem Radio, setzt er gekonnt ein. Nebenbei spielt er einwandfrei Gitarre. Eine fünfköpfige Band und zwei bezaubernde Background-Sängerinnen begleiten ihn.

Der 27-jährige Brite macht alles richtig. Doch es knistert bei weitem nicht so, wie es bei diesen Zutaten zu erwarten wäre. Der Auftritt wirkt über lange Strecken etwas blutleer. Das mag an der spröden Atmosphäre der Stadthalle liegen, in die das ursprünglich im Capitol angesetzte Konzert wegen großer Nachfrage verlegt wurde. Oder daran, dass Morrison sein Publikum fortwährend mit der Anrede „Germany“ entpersonalisiert: „Hello Germany“, „Do you feel good, Germany?“, „Thank you, Germany“ und auch sonst bei den auswendig gelernt anmutenden Anekdoten wenig Herzblut vergießt. Applaus bekommt er dennoch reichlich. Schon allein dafür, dass er gekommen ist, zu seinen Fans nach „Germany“. Aber ein mitreißendes Live-Erlebnis fühlt sich anders an.

Bilder vom Konzert in der Stadthalle

James Morrison live in der Stadthalle Offenbach

Sehr schön schlicht ist die Kulisse – große Pergamentpapierlampen schweben über der Bühne, im Hintergrund hängt ein elegant geraffter Vorhang. Das passt gut zu den überwiegend ruhigen Stücken des neuen Albums „The Awakening“. Neben aktuellen Titeln wie „Beautiful Life“, „Up“ oder „I Won’t Let You Go“ spielt er Hits wie „You Give Me Something“ und „Wonderful World“. Letztere werden mit Begeisterungsstürmen belohnt. „Broken Strings“, den flockigen Popsong im Duett mit Nelly Furtado, mit dem ihm 2009 in Deutschland der Durchbruch gelang, präsentiert er als reduzierte Soul-Nummer. Musikalisch die einzige Überraschung des Abends. Unaufgefordert skandiert das Publikum den Refrain. Das folgende „Slave To The Music“ bleibt von den unbekannteren Songs am meisten im Gedächtnis.

Eine Stunde und drei Zugaben

Nach einer Stunde verabschiedet sich James Morrison, anschließend folgen noch drei Zugaben. Die ersten Besucher strömen bereits nach draußen, die Reihen lockern sich. Gleiches gilt für die Atmosphäre im Saal. Alle Handyfilme und -fotos sind im Kasten, dauerquasselnde Grüppchen hören zum Abschluss endlich einmal zu; die Aufregung löst sich. Jetzt ist es so wie zu Beginn des Konzerts, beim Auftritt der Gastsängerin Imany: durch und durch entspannt.

Die Afro-Soul-Sängerin mit dem dunklen Timbre und Songs, die sich gleich beim ersten Hören einprägen, ist eine echte Entdeckung. Es zeugt aber auch vom großen Selbstbewusstsein James Morrisons, eine so begnadete Musikerin mit auf Tournee zu nehmen.

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