Einen Flash-Gott für alle, bitte

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Jan Delay und Disko No.1.

Offenbach - Eine seiner letzten Stationen wird die Offenbacher Stadthalle sein: Am Montag, 24. Januar (19 Uhr), lässt Jan Delay im schnieken Disko-Anzug Saturday Night Fever aufkommen.

Mehr Informationen zu Jan Delay und seiner Tour auf seiner Internetseite.

Im Interview mit unserer Mitarbeiterin Kathrin Rosendorff erzählt der 34-jährige Hanseat, was sich bei der Tour geändert hat, warum er Handyfotos mit Robbie Williams macht und dass auf Disko wieder Rock und Hip Hop folgen. Ihre Preise sammeln Sie ja auf der Toilette. Die vergangenen Monate kamen viele hinzu: Zwei allein bei der Echo-Verleihung. Müssen Sie jetzt anbauen?

Nein, da hätte ich schon dick anbauen müssen. Denn 2010 kam so ein krasser Preisregen, da hätte nicht mal das Klo von Bill Gates ausgereicht (lacht). Die Preise mussten jetzt ins Wohnzimmer umziehen.

Jetzt stehen die vorerst letzten Konzerte von der „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“-Tour an. Ist alles gleich geblieben?

Im Großen und Ganzen. Man kann es aber nicht mit der Tour, die wir vor anderthalb Jahren gespielt haben, vergleichen. Da war das alles was ganz Neues, weil wir zum ersten Mal in so großen Hallen aufgetreten sind.

Jetzt wissen wir, wie der Hase läuft und sind entspannter. Das ist der natürliche Lauf der Dinge, dass man einen Fehler gemacht hat, aber gerade der war geil, und dann baut man ihn für immer ein. Für den letzten Teil der Tour haben wir uns vorgenommen, noch ein bisschen mehr die Leinen loszulassen.

Neues Rap-Album mit Beginnern

Sind Sie denn sehr traurig, dass jetzt Schluss mit Disko ist?

Traurig werde ich erst am letzten Abend sein. Auf der anderen Seite freue ich mich so dermaßen darauf, nicht mehr so viel zu reisen, mich im Studio einzuschließen und neue Musik zu machen. Das wird mir auf jeden Fall über meine Trauer hinweg helfen. Außerdem werde ich und die Disko No.1-Band mit dem Goethe-Institut Ende des Jahres nach Japan reisen und dort auftreten.

Und was für Musik macht Jan Delay 2011?

Ein Rock-Song-Album mit meiner Disko No.1-Band. Außerdem will ich nach sieben Jahren Pause mit den Beginnern wieder ein neues Rap-Album aufnehmen.

In Ihrem Lied „Showgeschäft“ machen Sie sich lustig über die Casting-Generation, die unbedingt in die Entertainment-Branche rein will. Ist denn überhaupt DSDS der Weg ins Pop-Showgeschäft?

Wenn man wirklich was am Start hat, sollte man die Finger von DSDS lassen. Es befördert einen nichts mehr ins Aus als diese Sendung. Selbst wenn man sie gewinnt. Da muss man nur gucken, was in den letzten zehn Jahren mit den Gewinnern passiert ist, und es erübrigt sich doch alles andere.

Selten auf Offenbachs Straßen

Kein DSDS-Produkt ist der Offenbacher Straßenrapper Haftbefehl. Sie sind ein Fan von ihm. Warum?

Er ist für mich der erste Rapper mit Straßenhintergrund, der gute Reime macht und Humor hat. Und das findet man in diesem Genre sehr selten. Deshalb feiere ich ihn. Er ist irgendwie geil einzigartig, und das ist eigentlich das, worauf es beim Rap ankommt.

Auf Offenbachs Straßen trifft man Sie selten, dafür sind Sie oft in Frankfurt. Erst Silvester haben Sie als DJ Flashdance im Ostend-Club NuSoul aufgelegt. Was verbindet Sie als Nordlicht mit Frankfurt?

Ich bin sehr gut befreundet mit vielen Frankfurtern. Jeder kennt meine zehnjährige Bruderschaft mit Rapper D-Flame. Und auch DJ Julian Smith ist ein guter Freund.

In Frankfurt findet dieses Jahr die Frauen-Fußball-WM statt. Sie sind ein großer Werder Bremen-Fan und haben mit Mesut Özil eine WM- Rapzeile aufgenommen. Planen Sie das auch mit Birgit Prinz?

Nein. Frauenfußball interessiert mich gar nicht. Ich würde lieber mit Prince einen Song aufnehmen. Mit ihm zusammen hätte ich auch gerne ein Foto.

Einen Flash-Gott hat hoffentlich jeder

Sie zücken häufig Ihre Handy-Kamera und fotografieren sich mit anderen Promis, wie auch mit Robbie Williams. Spaß oder echte Fan-Liebe?

Das ist für mich ein Spaß. So ein Jäger- und Sammler-Ding. Für mich ist es genauso geil ein Foto von Robbie Williams zu haben, wie ein paar Turnschuhe zu ergattern, die kaum einer hat. Und wenn alle schon andauernd ein Foto mit mir haben wollen, dann nehme ich mir das Recht auch mal raus.

Apropos Fanliebe. Im Februar kommt David Hasselhoff wieder. Cool oder Überdosis Fremdscham?

Der ist cool, mit dem würde ich auch sofort ein Foto machen.

Und wie finden Sie seinen Comeback-Versuch?

Das ist mir, ehrlich gesagt, vollkommen egal.Den meisten Menschen auf dieser Welt ist David Hasselhoff egal. (lacht)

Nicht egal ist Ihnen Ihr persönlicher Flash-Gott. Können Sie den beschreiben?

Einen Flash-Gott hat hoffentlich jeder. Dass muss nicht unbedingt eine Person sein, die man ganz toll findet. Es bedeutet, dass es eine Macht gibt, die dafür sorgt, dass irgendwie alles gut läuft. Die Definitionen eines Gottes der anerkannten Weltreligionen machen das alles für mich unsexy. Solange man das Ganze nicht definiert, tut man nicht nur diesem Flash-Gott einen Gefallen, sondern auch sich selbst.

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