Jansons hält Münchner exakt auf Kurs

Der 1943 in Riga geborene Mariss Jansons gehört zumindest zeitweise zu den viel beschäftigten Dirigenten. Teils gleichzeitig leitete er Orchester in Oslo, London, Pittsburgh und St. Petersburg. Von Axel Zibulski

Vor etwa zehn Jahren reduzierte Jansons, nun sind es nur noch zwei Orchester im relativ überschaubaren Abstand zwischen Amsterdam und München. Mit dem Königlichen Concertgebouw-Orchester war er erst im August in Wiesbaden zu Gast, jetzt leitete er in der Alten Oper Frankfurt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und stellte Witold Lutoslawskis 1954 in Warschau uraufgeführtes Konzert für Orchester der fünften Sinfonie Peter Tschaikowskis voran.

Lutoslawskis Konzert für Orchester ist mindestens ebenso virtuos gehalten wie das gleichnamige und etwa zehn Jahre ältere Werk Béla Bartóks, dabei allerdings weniger auf pointierte Momente ausgerichtet als auf eine satte Finalwirkung: Im letzten der drei Sätze reiht sich an eine Passacaglia nebst Toccata auch noch ein hymnischer Choral: Das alles klang seitens der Münchner Streicher glutvoll intensiv, und zwar schon in der drängend insistierenden Eröffnung der „Intrada“ durch die Violoncello-Gruppe, aber selbst in den scharf schneidenden Kontrabass-Pizzicati als Untergrund des langen Finales. Die Präzision insgesamt war frappierend und so spürbar mühelos im Umgang mit den rhythmischen Kapriolen, dass die Interpretation viel Schwereloses besaß.

Aber auch Tschaikowskis fünfte Sinfonie e-Moll op. 64, so oft wie kaum eine andere gespielt, war weit mehr als ein sorgfältig wiedergegebener Repertoire-Klassiker. Bei allem Pathos kräftiger Legato-Steigerungen überzeugten immer wieder die bewusst breit ausgekosteten einhaltenden Momente im ersten Satz. Außerdem war die Aufführung von ebenso großen individuellen Glanzleistungen wie jenen des Solo-Hornisten im langsamen Satz geprägt wie von den kollektiven Stärken des Orchesters – noch die Begleitfiguren der Streicher im Scherzo waren empfindsam durchgearbeitet.

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