Jazz-Ensemble stößt in neue Galaxien vor

Frankfurt - Der Berliner Komponist, Arrangeur, Tenorsaxofonist und Klarinettist Daniel Glatzel hat sich als Kopf des Andromeda Mega Express Orchestras eine Freiheit im Jazz geschaffen, die mit dem Free Jazz nur in sehr vermittelter Form noch etwas gemein hat. Von Sebastian Hansen

Das Andromeda Mega Express Orchestra, das in der Jazzreihe im Garten des Frankfurter Liebieghauses spielte, hat es sich zum Ziel gemacht, mittels einer nahezu unbegrenzten stilistischen Offenheit in neue musikalische Galaxien vorzudringen. Auf seiner Reise streift es Genres mannigfach. Da klingt Filmmusik an, Lounge Jazz und Bossa Nova, Ellingtonsche Bigband-Eleganz. Anton Webern und das Easy Listening – und noch vieles andere mehr.

Besetzt ist das normalerweise 20-, an diesem Sonntagmorgen 19-köpfige Orchester mit Streichern, Blech- und Holzbläsern, Harfe, Vibrafon und Rhythmikern. Die Instrumentengruppen behaupten eine Eigenständigkeit, der Dialog zwischen ihnen ist von einer bizarren Verschlingung, die Ausweis einer gewieften Arrangeurskunst ist.

Nicht nur für Versierte

Diese ausgesprochen aufgeräumt wirkende Musik ist auch für den Pophörer ohne weiteres zugänglich. Als musikhistorische Referenzpunkte sind das legendäre Sun Ra Arkestra, die Orchesterwerke Frank Zappas sowie dessen Urväter Charles Ives und Edgard Varèse zu nennen. Auch an den Third Stream, die Zusammenkunft des Jazz mit der zeitgenössischen Kunstmusik ist zu denken.

Da folgt auf einen zeitlupenhaft zerdehnten Ellington-Growl des Blechs eine in sphärische Dimensionen verschickte Hawaiigitarre. Gleich darauf legt sich eine gemeinschaftlich von allen Musikern gepfiffene Melodie über romantisierend plätschernde Harfenklänge. Der Musik ist ein untergründiger Witz eigen, der beiläufig, nicht gesucht wirkt. Mit Blick auf seine kompositorische Methode verweist Daniel Glatzel auf den Shuffle-Modus. Einer dem Zufallsprinzip innewohnenden Gefahr der zitathaften Reihung von Genres beugt freilich ein ausentwickelter Strukturwille vor. Alles scheint am Ende an seinem Platz zu sein.

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