Jazz im Suiten-Format

Frankfurt - Bei den „Jazz Nights“ in der Frankfurter Alten Oper spielte das famose Solisten-Ensemble eine Stunde lang ohne Unterbrechung zwischen den Nummern. Von S. Michalzik

Nummern? Es steht in Zweifel, ob man davon tatsächlich sprechen kann. Zwar herrscht ein steter Wechsel; doch zugleich fügt sich alles zur übergreifenden Großform, die in sich geschlossen wirkt wie eine Suite. Man könnte das alles für eine Improvisation, für die reine Geburt des Augenblicks halten. Nicht umsonst aber sind Notenpulte aufgebaut.

Seit acht Jahren besteht das derzeitige Quartett des Saxofonisten Wayne Shorter in unveränderter Besetzung. Mit Miles Davis hat Shorter zwischen 1964 und 1970 Dinge angestoßen, die später für den elektrifizierten Jazz der 70er Jahre prägend werden sollten. Gemeinsam mit dem Keyboarder Joe Zawinul hat er hernach mit der Band Wea ther Report die Ernte eingefahren. Mit seinem heutigen akustischen Quartett, zu dem der Pianist Danilo Perez, John Patitucci am Bass und Brian Blade am Schlagzeug gehören, zieht der ungeachtet seiner 76 Jahre kein bisschen veteranenhafte Shorter eine Quintessenz – und er geht darüber hinaus.

Jeder Musiker ist in seinem Temperament gespiegelt. Der aus Panama stammende Pianist Danilo Parez, der viel mit Clustern arbeitet, lässt seine Latin-Prägung nur als Hintergrund aufscheinen. Bassist John Patitucci streicht und zupft den Kontrabass mit der unaufdringlichen Präsenz eines rhythmisierenden Melodikers. Und Schlagzeuger Brian Blade bleibt als Haudrauf äußerst differenziert.

Shorter, eine Generation älter als seine Kollegen, ist kein Veteran. Seine Musik kann für sich beanspruchen, mitzubestimmen, wo der Markstrich für die Höhe der Zeit zu ziehen ist.

Kommentare