41. Jazzfestival öffnet ein Tor zur weiten Welt

Frankfurt - Als afroamerikanische Errungenschaft ist Jazz per se „Weltmusik“. Entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus einer Verknüpfung afrikanisch geprägter Rhythmen und Melodien mit europäischer Kunst- und Volksmusik, hat er sich im Lauf seiner Geschichte mit Musiken regionaler Herkunft gepaart. Von Stefan Michalzik

Mit diesem Grundmotiv beschäftigt sich das 41. Deutsche Jazzfestival im Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt unter dem Titel „Jazz im globalen Dorf“. Der als Sohn karibischer Einwanderer in London geborene Saxofonist und Bassklarinettist Courtney Pine, Pionier der Fusion des Jazz mit HipHop, Rap und Drum’n’Bass, hat sich am Ende des ersten der drei Festivalabende mit seinem Sextett in einer frei distanzierten Form mit Sidney Bechet, einem der frühen großen Improvisatoren, beschäftigt. Pin e ist ganz entschieden der herausgehobene Solist mit Begleitensemble, kein Mannschaftsspieler.

Brillante Technik verbindet er mit Show samt Stimmungsmache durch das vordergründige Zitieren allseits bekannter Melodien vom Schlage „The Lion Sleeps Tonight“. Wenn dieser fulminante Hochleistungsbläser von Bechet eins nicht gelernt hat, dann ist es die Kunst, Sololäufe in der rechten Zeit zum Ende zu bringen.

Galoppierende Rhythmen, anrührende Balladen

Wunderbare Momente des Austauschs und der Verwebung bescherte die Begegnung der hr-Bigband mit den mongolischen Obertonsängern und Pferdekopfgeigenspielern Badamkhorol Sandandamba, Enkhjargal Dandarvaanchig und Naranbaatar Purevdor. Steffen Schorn, großartiger Solist vor allem auf dem Bariton- und Basssaxofon, schließt mit seiner Arrangierkunst an die Großtaten von Duke Ellington und Stan Kenton an. Auch die indischen Tablas, gespielt von Bodek Janke, tauchen in diesem groovenden Gebräu auf. Galoppierende Rhythmen, anrührende volksmusikalische Balladen, gesungen von der sich herzig gebenden Badamkhorol Sandandamba: Gekonnte Unterhaltung und mehr als anspruchsvolles Kunsthandwerk.

Der Frankfurter Bassist Stephan Schmolck, Träger des diesjährigen Hessischen Jazzpreises, zählt zu jener Sorte profilierter Musiker, die das Deutsche Jazzfestival in guter Tradition regelmäßig präsentiert. Das Mitglied des hr-Jazzensembles, zeitweilig Teil der Band von Heinz Sauer, ist einer der markantesten Vertreter seines Instruments weithin und zudem ein stil- und formbewusster Komponist. In seinem Sextett Harm-O-Tronix vereint der Elektronik sparsam einsetzende Schmolck eine Reihe von fabelhaften Musikern wie den an die Brillanz von Maynard Ferguson und Randy Brecker produktiv anknüpfenden Trompeter Hans-Peter Salentin und den Bassetthornspieler Burkhard Kunkel sowie den Knopfakkordeonisten Harald Oeler zu einem kompositorisch wohlgeordneten, gleichwohl spannungsvollen Ensemblejazz.

Rubriklistenbild: © Pixelio

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