Al Jarreau in der Alten Oper

Jazziges als Jungbrunnen

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Al Jarreau

Frankfurt - Da haben sich zwei gesucht und gefunden. Zumindest konzertant ergänzen der Stimm-Magier Al Jarreau und Pianist Joe Sample, der den Blues mit der Muttermilch aufgesogen hat, einander prächtig. Von Klaus Ackermann

Beide Anfangssiebziger sind auf den Spuren ihrer jazzigen Vergangenheit und haben sich beim Konzert in der vollbesetzten Alten Oper mit der NDR Bigband verbündet, die zur Spitze der europäischen Jazzorchester zählt. Ihr Chefdirigent heißt Jörg-Joachim Keller, der schon in seinen Frankfurter Zeiten die hr-Bigband neu profilierte und dazu ein begnadeter Arrangeur ist.

Back to the roots – Pianist Joe Sample, der Hits wie „Street Life“ für seine Band „The Crusaders” geschrieben hat und selbst einer Sklavenfamilie entstammt, setzt in seinem Projekt „Children Of The Sun“ den Kindern der Sklavenzeit ein musikalisches Denkmal. In vielen, vielen Worten und noch mehr Tönen auf karibische Rhythmen, die Keller in seinen Bigband-Bearbeitungen gleichsam aktualisiert hat. Mit dem irdenen, handfesten Klavierspiel des Kreolen zentral – der in bester Improvisier-Laune die Oktaven aus dem Handgelenk schüttelt.

Rabenschwarze, weil Soul-selige Ballade

Eine rabenschwarze, weil Soul-selige Ballade wird zur erregenden funky music, mit einem wilden Trompeter-Krieg nach dem Motto „Wer kann höher“. Und das Titel-gebende „Children Of The Sun“ hat Gospel-Feeling auf wohlig angeschrägtem klanglichem Untergrund.

Dann lässt sich Al Jarreau auf die Bühne bitten, hinter der Seitentür verkündend, er sei noch in Sachsenhausen. „Pretty girls there …” Die besten Songs aus George Gershwins Oper „Porgy and Bess“ hat er sich regelrecht einverleibt. Mit ungebrochener Stimme und augenzwinkernden Schlenkern in Skat und Rap, bei denen er die Oper gleichsam im Zeitraffer erzählt. „Summertime“ ist pure stimmliche Emotion, bei der die wiederum solistisch auffällige Bigband Gershwins Pfefferminz-Akkorde noch zu schärfen scheint. „I Got Plenty O‘ Nothing“ glaubt man Jarreau aufs Wort - „alles oder nichts“ ist auch seine Jazz-Devise.

Bei aller Rückbesinnung, auch der Stimmakrobat Jarreau, der so gern den Rhythmus schnalzt, bleibt nicht außen vor. Besonders in Brubecks „Take Five“, dass die beiden Jazz-Legenden mit animierender Bigband-Begleitung in einer Session vereint. Ein Mordsspaß – für alle!

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