Jubiläum mit Fanfaren-Ton eingeleitet

Offenbach - Das Sinfonieorchester des Philharmonischen Vereins, das als Laien-Ensemble aus dem gehobenen Bürgertum zu Unterhaltung und Belehrung konzertierte und die Geselligkeit pflegte, bereichert seit 175 Jahren das Frankfurter Musikleben. Wobei Offenbach gebührenden Anteil hat. Grund genug für ein opulentes Jubiläumskonzert in beiden Städten, eröffnet mit festlicher Händel-Fanfare. Von Eva Schumann

Es versteht sich, dass der Philharmonische Verein beim Auftritt in Offenbachs Markuskirche seinem Gründer Reverenz erwies. Aloys Schmitts Opus 45 trägt den kryptischen Titel „Tongemälde“. Es entpuppte sich als Mittelding zwischen Konzertouvertüre, Fantasie und Sinfonie, zwischen Pathos und Empfindsamkeit, stilistisch zwischen Klassik und Romantik schwebend. Das Orchester vollzog flexibel den raschen Wechsel der Gefühle und spielte die Effekte genussvoll aus.

Gerhard Müller-Hornbach, Professor für Komposition und Musiktheorie an der Frankfurter Musikhochschule, komponierte zum Jubiläum das Auftragswerk „In die Zeit – rituelle Gesten“ für einen Schlagzeuger und Orchester. Die Schlaginstrumente bestimmen mit ihrer Klangcharakteristik und Spielgestik das musikalische Geschehen, das Orchester antwortet auf die Impulse und Klanggesten von Tamtam, Holzblock, kleiner Trommel und Pauke. Solist Tobias Vincente agierte sensibel. Unter der engagierten Leitung Armin Rothermels bestand das Orchester die Bewährungsprobe mit Bravour.

Keine geringe Herausforderung war schließlich auch die „Symphonie fantastique“ von Berlioz mit seinem farbigen Klangapparat und den expressiven Stimmungswechseln. Dem Orchester gelang es, das sinnliche, süchtig machende Parfüm des Kopfsatzes hervorzulocken. Es setzte Roth ermels Vorgaben prompt um, hielt die Spannung und war zu immer mehr Steigerung fähig. Rothermel ließ die Farben scharf konturieren. Eindrucksvoll traf er die Dramatik des dritten Satzes. Die Holzbläser hatten ihre große Stunde, klangschön und vortrefflich mit dem Tutti korrespondierend. Straff und präzise erklang der Marsch zum Richtplatz. Fulminanter Höhepunkt war der Hexensabbat.

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