Zum Jubiläum Klangarmada aufgeboten

Kammerchor der Universität Ramon Lull in Barcelona, einer des besten Spaniens, Motettenchor Frankfurt und Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg in Seligenstadt: Die in jeder Hinsicht überwältigende Klangarmada zum 200. Todesjahr von Joseph Haydn (1732-1809) übertraf noch die hohen Erwartungen, inspiriert von Atmosphäre und Akustik der Einhardsbasilika.

Das Festkonzert begann unter Leitung des Katalanen Esteve Nabona klangschön mit Haydns „Abschiedssinfonie“ Nr. 45 (1772) in fis-Moll. Originell dabei der Auftritt der St. Petersburger Virtuosen zum Finale. Nacheinander verließen die Musiker das Podium. Die beiden verbliebenen Geiger hauchten schließlich ein Duo ins ehrwürdige Kirchenschiff. Vor dieser inszenierten „Arbeitsniederlegung“ hatten die Petersburger großes Können demonstriert, einem fast rokokohaften Allegro assai ein wehmütig seufzendes Adagio und ein chromatisch fast grenzwertiges Menuett folgen lassen.

Geradezu imperial dann Haydns so genannte „Nelsonmesse“ (Missa in angustiis), komponiert 1798 in „Zeiten der Bedrängnis“, als fast ganz Europa unter Napoleons Feldzügen ächzte. Mit entsprechender Wucht, aber auch mit Aufbegehren, begann das Kyrie, von der stimmgewaltigen Chorarmada selten dynamisch umgesetzt. Doch der in Wien lebenden Katalanin Ana Puche Rosada gelang es tatsächlich, diese Klangmacht mit ihrem Sopran noch zu übertrumpfen. Warum diese junge Sängerin hochkarätige Wettbewerbe immer als Siegerin verlässt, wurde auch an ihren traumhaften Wechseln mit den Solisten und den Chören deutlich. Besonders innig Puches berührendes Belcanto im „Maria Virgine“-Solo des „Et incarnatus est“.

Doch Nabona hatte noch mehr Trümpfe auszuspielen: die international ebenfalls gefeierte Mezzosopranistin Anna Alás Jové, den Mathis-Schüler Javier Alonso als Tenor und den auch im lyrischen Fach beheimateten Bass Thomas Peter aus Nürnberg. Das Solistenquartett und die Chöre ließen das Gloria ebenso wundervoll aufblühen wie das kanonisch angelegte Credo, wie alle Sätze durch Pauken-Trompeteneinsätze festlich überhöht.

Nabonas perfekt ausbalanciertes Dirigat profitierte auch von der Einstudierung Thomas Hanelts: im harmonischen Allegretto des Benedictus, im wehmütigen Solistenquartett des Agnus Dei, im würdevollen „Dona nobis pacem“. REINHOLD GRIES

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