Nachdenklichkeit und Klangfeuerwerk

+
Auf der Klais-Orgel der Johanneskirche spielte Jürgen Blume.

Offenbach - Das etwas andere Silvesterkonzert in Offenbachs Johanneskirche zog viele Zuhörer an, um das Jahr nachdenklich Revue passieren zu lassen. Von Reinhold Gries

Eindrucksvoll unterstützt wurden sie von Jürgen Blume an der Orgel und exzellenten Ausführungen der Mainzer Studentenpfarrerin Anette Kassing. „Wer war ich eigentlich vor einem Jahr?“, fragte sie, um dann über Kraft, Zuversicht und Ohnmacht zu sprechen.

Zuversichtlich schwungvoll kam Johann Sebastian Bachs Jugendwerk Praeludium und Fuge C-Dur daher, als Pedalsolo beginnend, kunstvoll Akkorde zerlegend und sie zwischen Pedal und Manual hin und her reichend. Auch die tänzerische Fuge, vierstimmig im 4/4-Takt, wirkte alles andere als schwer.

Wie eng Felix Mendelssohn Bartholdy an Präludien seines Vorbilds orientiert war, hörte das Publikum am Allegro con brio aus der Sonate B-Dur. Auch da fand Blume zu charakteristisch liedhaftem Gestus, der harmonischer kaum hätte sein können. Mendelssohns „Lieder ohne Worte“, für Klavier komponiert, klangen auf der erstklassigen Klais-Orgel noch kontrastreicher. Die Singstimme übernahm Blume als Cantus firmus in die Tastatur, registrierte die Miniaturen feinfühlig zwischen melodischem Adagio, hurtigen Sequenzen des Presto agitato, meditativem Klanggrund des Andante tranquillo und dem lyrischen vierten Satz.

Rhythmisch und schwungvoll

Nicht weit entfernt von Mendelssohn waren „Meditaciones religiosas“ des Pariser Spätromantikers Louis James Alfred Lefébure-Wély. Blume kostete deren volkstümliche Melodik, beim Adel des zweiten Kaiserreichs überaus beliebt, ebenso aus wie die kontrastreichen Effekte der Charakterstücke. Rhythmisch und schwungvoll ging es in den Marche F-Dur mit typischem Staccato, schwelgerisch ins Andante Es-Dur. Von reizvoller Klanglichkeit lebten das getragene Offertoire D-Dur mit der gebetshaften Prière und die wie ein Sonatensatz wirkende Sortie B-Dur. Das war eingängige Musik, die keinerlei Fragen aufwarf.

Danach folgte das Klangfeuerwerk. Alan Ridouts pulsierendes Scherzo in G wirkte in hüpfenden und springenden Tonfolgen fast übermütig. Quirlig malte Blume in John Rutters Toccata in Seven mit gemäßigt modernen Farben und jazzigen Einsprengseln, um die Figuren am Ende dem beruhigenden, fast suggestiven Klangstrom zuzuführen, den er ebenso liebt wie sein Auditorium.

Kommentare