Jugend hat Spaß am Spiel

Zumindest bei der Deutschen Streicherphilharmonie haben Frauen die absolute Mehrheit. Das Orchester, einst in der DDR gegründet und aus der Elite deutscher Musikschulen rekrutiert, zeigte beim Gastspiel in der Alten Oper Frankfurt zudem großen Spaß am sinfonischen Spiel. Von Klaus Ackermann

Den strahlte auch Geigerin Kathy Kang ab, die Mendelssohns Violinkonzert zu farbiger klanglicher Blüte brachte. Die konzertanten Pretiosen einer milden spätsommerlichen Serenade hatte Dirigent Michael Sanderling auf Hochglanz poliert.

Zwischen elf und 19 Jahre jung sind die Mitglieder des Streichorchesters, die der Sohn des legendären Dirigenten Kurt Sanderling schon in Benjamin Brittens „Simple Symphony“ zu engagiertem Einsatz ermuntert, dessen temperamentvolles Dirigat offenkundig anregend wirkt. Von wegen einfach, wie der Titel verheißt: Brittens frühes Streicher-Opus, dass mit drei Schlägen beginnt, ist eine instrumental anspruchsvolle Suite, die einfache Tanz-Themen polyphon verdichtet.

Wie eine Art Scherzo mutet der zweite Satz an, dessen permanentes Pizzicato die klanglich kompakte Streicherphilharmonie kontrastreich zu dynamisieren versteht. Ihre melodischen Fähigkeiten unterstreicht die junge Truppe in der Sarabande, die ehrwürdige Tanzform wie eine Arie behandelnd, der ein ausgelassenes Finale folgt, mit Gassenhauer-Themen, orchestral regelrecht durch die Mangel gedreht.

Solch virtuosen Elan verbindet Kathy Kang im Mendelssohn-Bestseller, dem Violinkonzert e-Moll, mit starker Empfindungskraft zu expressivem Spiel.

Maßgeschneidertes Andante-Lied

Wie maßgeschneidert scheint das Andante-Lied für die vor allem in der Tiefe weit ausschwingende Meistergeige des Franzosen Jean-Baptiste Vuillaume aus dem Jahr 1864. Wiederum ohne Satzpause schließt sich das Allegro-Finale in erlösendem Dur an, dessen koboldartiges Thema die Deutsch-Koreanerin immer wieder neu beleuchtet.

Erstaunlich, wie souverän das Orchester auch in der Begleiterrolle auftritt. Meckern kann man hier allenfalls über mangelnde Feinabstimmung mit den Blechbläsern. Während Kathy Kang ihr virtuoses Mütchen an der Toccata des zeitgenössischen Litauers Vytautas Barkauskas kühlt, eine teuflisch schwere Rumba.

Mit Tschaikowskys sinfonischem Vierteiler „Souvenir de Florence“, mal tänzerisch wie im Rausch, mal russisches Moll auf unruhigem Grund, bezeugt das Streichorchester einmal mehr seine frühe Reife, inspiriert von einem Dirigenten, dem alle Sympathien gehören.

Klanglich unter Starkstrom und emotional bewegend dann die Zugabe, Rachmaninows „Vokalise“, von der Streicherphilharmonie ihrer Geigerin gewidmet, die nach einem schweren Verkehrsunfall in der Frankfurter Uniklinik liegt. Da darf sogar gesungen werden. Dieser starke konzertante Eindruck in Frankfurt legt nahe: Man sollte nur noch jungen Orchestern zuhören.

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