Jugendlicher Saiten-Klang

Streicherphilharmonie in der Alten Oper

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Der in Frankfurt lebende Dirigent Michael Sanderling leitete das Konzert der Deutschen Streicherphilharmonie.

Frankfurt - Sie sind zwischen elf und 19 Jahren jung, entstammen den Musikschulen und bezeugen alle Jahre wieder als Deutsche Streicherphilharmonie in der diesmal nur mäßig besetzten Alten Oper Frankfurt eine schon erstaunliche Reife. Von Klaus Ackermann

Mit den Solisten Vilde Frang (Violine) und Nils Mönkemeyer (Viola) boten sie unter der Leitung von Michael Sanderling gern Gehörtes und Neues. Wie Bruchs Doppelkonzert, die klanglich süffige Serenade E-Dur von Dvorak sowie Gisbert Näthers Sinfonischer Prolog „Und der Mensch versuche die Götter nicht“, erst vor kurzem in Weimar uraufgeführt.

Der Oberlausitzer Räther, Komponist und Hornist des Deutschen Filmorchester Babelsberg, hat Franz Schuberts romantisches Lied „Der Taucher“ für Bariton und Streichorchester instrumentiert und ihm jenen Prolog vorangeschickt, dessen Titel die Quintessenz von Schillers Ballade darstellt. In ihr sieht Räther einen Verweis „auf die Grenzen des menschlich Machbaren“.

Herausgekommen ist eine Art Spätlese der klassischen Moderne, durchweg tonal, die Geigen in fiebriges Flageolett eintauchend und den Tieftönern grummelnd Klangraum verschaffend. Ein Wechselbad der Stimmungen, Schiller auch beim Wort nehmend: „Und der Mensch versuche die Götter nicht“, wird von den Orchestermitgliedern gesprochen, mit Streicher-Akkorden unterlegt.

Keinerlei Rätsel

Ein Werk, das selbst den jungen Musikern keinerlei Rätsel aufgibt, die mit Sanderling als Verbinder das Konzert für Klarinette, Viola und Orchester (in einer Fassung für Violine und Viola des italienischen Bratschisten Ettore Causa) feinfühlig begleiten.

Bruch setzte hier – wie in seinem bekannten Violinkonzert – auf bewegliches und seelisch bewegendes Moll und mischt dabei die üblichen Satzbezeichnungen neu. Es beginnt mit einem Andante, ein Duett anheimelnder Melodien in nahezu intimer Zweisamkeit der mit internationalen Preisen verwöhnten Frang und Mönkemeyer.

Auch im Serenaden-artigen Allegro moderato gibt es keinerlei Konfliktstoff, die den Fittichen von Anne Sophie Mutter längst entfleuchte Geigerin und der körperlich aufwändig musizierende norddeutsche Viola-Vorspieler mit edler Kantilene auf orchestralen Zupf-Grund. Ein wenig Dramatik dann im Allegro molto, lebendig und virtuos packend von den Solisten inszeniert – und mit einem Generalpausen-Effekt vor dem finalen Basta-Akkorden. Ein Bruch, der im trist-kühlen November erwärmt.

Wie die Serenade E-Dur für Streichorchester, mit der Dvorak, von Brahms protegiert, seine Weltkarriere begann. In Sanderlings feiner Dynamisierung, der jetzt mehr dirigiert als Cello spielt, seine eigentliche Domäne, ein romantisches Schmuckstück, blitzsauber von dem Jugendorchester gespielt, dessen schon hohes technisches Potential der Chefdirigent zu kanalisieren versteht. Ein Dvorak-Hit der ins Ohr geht – wie das zugegebene „Palladio“ des Briten Karl Jenkins, Keyboarder der britischen Art-Rock-Band „Soft Machine“ …

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