Bad im Jungbrunnen

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Taufrisch wirkte die US-Band beim Auftritt in Hanau. Und Kate Pierson ist noch immer gut bei Stimme.

Hanau - Es gibt Bands, die Generationen begeistern. Da sieht man dann Eltern und Kinder einträchtig zum Konzert gehen. Das ist brav, aber auch ein wenig trostlos. Von Carsten Müller

Vergleichsweise homogen wirkt dagegen das Publikum der US-Band The B-52s im Hanauer Amphitheater, wo die Teenager der 1980er-Jahre jetzt eine ausgelassene Revival-Party feierten. Da wirkt eigener Nachwuchs eher störend – zumal dieser schon eigene Wege gehen dürfte.

Zu etlichen Baby-Boomer-Partys lieferte das Quintett aus Athens vor drei Jahrzehnten den tanzbaren Soundtrack. Außergewöhnlich war seinerzeit nicht nur der Verschnitt aus Rock, Punk, Funk und spacigem Keyboard-Sound. Auch die Hochfrisuren der Sängerinnen Cindy Wilson und Kate Pierson erregten Aufsehen, zumal deren perfekt harmonierende Stimmen wirkungsvoll mit dem Sprechgesang Fred Schneiders kontrastierten. Wo andere ihre Stimmbänder haben, trägt er mutmaßlich ein implantiertes Megaphon, das spröden Kasernenhof-Charme austeilt.

2012:Sweet Soul Music Revue im Amphitheater Hanau

So schien sich das ansonsten formidabel beschallte Musikzelt in einen wahren Jungbrunnen zu verwandeln, als die ersten Töne von „Planet Claire“ erklangen, das Kate Pierson zur eindrucksvollen Demonstration ihrer Sirenen-Stimme machte. Cindy Wilson und Fred Schneider standen dem gesanglich wenig nach, wenngleich die Frisuren heute weniger hoch und die Bewegungen auf der Bühne gemessener sind. Dennoch wirkten die Songs des von Tracy Wormworth (Bass), Sterling Campbell (Schlagzeug) und Paul Gordon (Keybooards, Gitarre) begleiteten Trios taufrisch und stellten die Zeichen früh auf Party, vom Publikum bis in die letzten, nach würzigem Rauch duftenden Reihen begeistert aufgenommen.

Leider war das Vergnügen nur von kurzer Dauer. Zwölf Nummern, darunter „Private Idaho“ „Dance This Mess Around“, „Roam“, „Legal Tender“, „6060 842“ und „Whammy“, standen auf der Setlist, bevor die Band nach knappen sechzig Minuten und dem Hit „Love Shack“ die Bühne verließ. Den Schlusspunkt als zweite Zugabe setzte „Rock Lobster“, erster Hit der B-52s, so herrlich anarchisch und schräg wie anno dazumal.

Bezeichnend für einen Abend, der alles andere war als ein fader Aufguss früherer Erfolge, sondern Nachweis der nach wie vor außerordentlichen Live-Qualitäten einer Band, die ihr Publikum für knappe 70 Minuten die Zeitläufte vergessen ließ. Mit der schönen – und zugleich trügerischen – Illusion einer Revival-Party.

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