Verführer mit Welpenblick

Justin Bieber sorgt für Ausnahmezustand

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Kokett: Der von ihm ausgelöste Mädchen-Orkan schien dem Kanadier nicht laut genug.

Frankfurt - Ausnahmezustand in der Frankfurter Festhalle: Der kanadische Jungstar versetzte bei seinem Auftritt an die 10.000 Fans in einen Taumel. Von Kathrin Rosendorff

Das lange Warten auf Justin Bieber nervt. Aus „Justin“-Schreien werden Buh-Rufe. „Wie lange braucht er denn noch?“, fragt und seufzt die elfjährige Anna aus Würzburg. Sie hat extra für den Anlass ihr Justin-Bieber-Parfüm aufgetragen. Ein paar Reihen weiter gibt es andere Probleme. „Du kannst so viel zicken, wie du willst. Ich heirate Justin“, sagt Selin (12) aus Frankfurt. Ihr Freundin Inas (12) schüttelt uneinsichtig den Kopf. Biebers Vor-Band hat da schon seit anderthalb Stunden Feierabend. Eine blonde Bieber-Verehrerin ist auf ihrem Sitzplatz bereits eingenickt. Als aber der kanadische Teenie-Herzensbrecher um 20.40 Uhr mit Elvis-Frisur, silberfarbenen Engelsflügeln, schwarzer Sonnenbrille sowie mit weißer Hose und Hemd in die Frankfurter Festhalle einschwebt, sind die Fans hellwach, ist alles verziehen.

Die Mädchen weinen, schreien und hüpfen im Liebesrausch. Alles auf einmal. Zwischendrin haben sie Schnappatmung. Nur wenige Jungs sind da, Väter schauen ungläubig auf ihre schrill-kreischenden Töchter, die rote Papierherzen hochhalten. Biebers erster Titel „All Around The World“ wird von dem Mädchen-Orkan fast übertönt.

Biebers Welttournee „Believe“

Das Konzert auf Biebers Welttournee „Believe“ ist mit 10.000 Besuchern nur fast ausverkauft. Einige Mädchen hatten trotz Kälte vor der Festhalle übernachtet. Damit sie nicht erfrieren, wurden Decken verteilt, so der Veranstalter. Zwischen 78 und 220 Euro kostete eine Eintrittskarte. Unverschämt! Vor allem für Teenies. Im Saal fallen die ersten „Beliebers“ – so nennen sich seine Fans in einer Verschmelzung der Worte „Bieber“ und „Believe“, so heißt das jüngst erschienene Album – schon vor Konzertbeginn um.

Es ist Biebers erstes großes Konzert in Frankfurt. Richtig laut wird es, wenn der 19-Jährige fragt: „Wer will mein Baby sein?“ Und immer dann, wenn der dünne Justin sein sowieso schon tief ausgeschnittenes, weißes Unterhemd auszieht und sein Sixpack präsentiert. Dieses Ritual vollzieht er mit einer Mischung aus lasziver Pose und Welpenblick.

Mehr als ein hübscher Posterboy

Aber Justin Bieber kann mehr sein als ein hübscher Posterboy. In ihm steckt ein talentierter Musiker. Mit seiner Gitarre umkreist er auf einer Hebebühne den Saal und spielt akustisch seine Ballade „Fall“. Am Klavier performt er „Believe“ und zwischendrin beeindruckt er mit einem richtig guten Schlagzeug-Solo. „Wenn er ein Instrument spielt, wirkt er am authentischsten und glücklichsten“, sagt eine mitgebrachte große Schwester.

Ansonsten ist die Show auf mehreren Ebenen mit Live-Band, einer Armee an Tänzern und einem DJ perfekt durchgestylt. Da kann man nicht meckern, Herr Bieber macht seinen Job anständig. Die Negativ-Schlagzeilen um ihn in den vergangenen Wochen – von Auseinandersetzungen mit Paparazzi bis zu Drogengerüchten – sind da ausgeblendet.

Justin Bieber in der Festhalle Frankfurt

Justin Bieber in der Festhalle Frankfurt

Einiges hat er sich von seinem Idol Michael Jackson abgeschaut: Wie einst Jacko springt er auf die Zehenspitzen und trägt goldene Handschuhe, was an Jacksons „Billy Jean“-Silberhandschuhe erinnert. Bei „Never Say Never“ gibt es eine Straßengang-Choreo, die etwas von Jacksons „Bad“-Video hat. Trotz seiner extrem tief sitzenden Hosen kann Bieber sich einwandfrei bewegen.

Zwischendrin ergänzen eingebaute Filmsequenzen die Live-Show: Justin Bieber wird auf der Leinwand von Paparazzi verfolgt und taucht plötzlich mit den Paparazzi-Tänzern auf der Bühne auf. Einmal lässt er sich auf den Boden fallen, taucht ab und ist dann in einer Video-Sequenz am Meeresboden zu sehen.

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