Justin Timberlake im Waldstadion

Ganz der Staatsmann

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Alles andere als hemdsärmelig: Der ehemalige Kinderstar trägt Anzug - auch bei hochsommerlichen 30 Grad.

Frankfurt - Justin Timberlake tanzt im Waldstadion über den Köpfen jubelnder Fans und präsentiert sich als Multiinstrumentalist. In Frankfurt spielt der „President Of Pop“ sein einziges Stadionkonzert in Deutschland. Von Ronny Paul 

Mickey-Mouse-T-Shirt und Wuschellocken hat er schon lange gegen Anzug und Schmalztolle getauscht. Im Frankfurter Waldstadion beweist der ehemalige Kinder- und Boygroup-Star, Justin Timberlake, dass er musikalisch zum „President of Pop“ gereift ist. Der Titel haftet ihm seit Veröffentlichung seines dritten, mit einigen Preisen ausgezeichneten Langspielers „The 20/20 Experience“, an. Und so präsentiert sich der 33-Jährige vor prall gefüllten Rängen jederzeit „staatsmännisch“: Bei hochsommerlichen dreißig Grad trägt er die ganze Zeit über Anzüge. Zwar muss er die innerhalb der zweieinhalb Stunden Show mehrmals wechseln, doch scheint es jederzeit so, als könne er die ganze Nacht durchtanzen und dabei zu jeder Sparte der Popmusik ein Ständchen beitragen. Sein Auftritt führt durch viele Stationen der Popgeschichte: Er zitiert Elvis Presleys „Heartbreak Hotel“ und wirkt dabei auf einem kleinem Podest inmitten des kreischenden Publikums ein bisschen wie der King selbst.

Wer hätte gedacht, dass das ehemalige Mitglied der 90-er-Jahre-Boyband NSYNC einmal bei einer Stadionshow mit Covern von Kool And The Gang, Jay-Z und Michael Jackson überrascht. Vor allem in die Fußstapfen Jacksons scheint Timberlake immer wieder gern zu treten: Oft erinnern Gesang- und Tanzstil an den „King of Pop“: Den Moonwalk beherrscht er jedenfalls ebenso wie den Falsettgesang. Auch zeigt er sein instrumentales Können: Timberlake haut bei „Until The End Of Time“ in die Tasten eines weißen Flügels, spielt die südamerikanischen Rhythmen von „Senorita“ auf einem Rhodes-Piano und greift bei „Heartbreak Hotel“ in die Saiten einer Western-Gitarre. Den Abend über wird er dabei von den Tennessee Kids, einer 14-köpfigen Big Band inklusive Background-Sängern, begleitet. Die Tennessee Kids steigen während des ersten Liedes langsam auf einer beweglichen Plattform aus der Bühnenkonstruktion empor und verschwinden im Laufe des Abends für einige Lieder wieder in ihren Tiefen

Überhaupt hat das Konzert einiges an Showeinlagen zu bieten: Eine effektreiche Lichtshow und bearbeitete Live-Mitschnitte des Bühnengeschehens auf Großleinwänden gehören mittlerweile bei Stadionkonzerten zum Standard und werden vom Publikum bei den hohen Eintrittspreisen auch erwartet. Doch dass sich im zweiten Teil des Abends langsam der vordere Bühnenteil in fünf Meter Höhe erhebt, während der amerikanische Popstar zusammen mit vier Tänzern darauf tanzt und singt, hätte wahrscheinlich kaum jemand erwartet. Und dass die Bühnenkonstruktion dann noch in luftiger Höhe über die Köpfe des Publikums hinweg zum Mittelkreis des Waldstadions fährt, beeindruckt das Publikum sichtlich, was an den vielen in die Höhe gereckten Mobiltelefonen unschwer zu erkennen ist.

Justin Timberlake rockt das Waldstadion

Justin Timberlake rockt das Waldstadion

Seit dem ersten Schritt auf die Bühne wird nahezu jede Bewegung Timberlakes ohnehin von einem ohrenbetäubenden Kreischen des Publikums begleitet. Die Anfangstakte des ersten Liedes „Pusher Love Girl“ gehen fast komplett im Jubel der Masse unter. Und die versteht Timberlake wie ein großer zu dirigieren. Das Publikum singt jede Zeile lautstark mit, folgt den Klatsch- und Tanzaufforderungen des 33-Jährigen aufs Wort: „Frankfurt ich liebe euch“, gesteht er schon am Ende des ersten Showteils und lobt die Fans im Waldstadion als „mit die verrücktesten der ganzen Tour.“ Die Commerzbank-Arena füllt sich abermals mit gellendem Geschrei und wird auf Timberlakes Kommando vom Licht tausender Smartphones erhellt; Das gute alte Feuerzeug hat ausgedient. Timberlake liefert seinem Publikum eine Bühnenshow, bei der er selbst nie still steht und überrascht mit einigen umgearbeiteten Versionen neuer und alter Lieder, wie bei einem der Höhepunkte des Abends: „Sexy Back“. Nachdem er das Publikum mit der Zugabe „Mirrors“ in die laue Sommernacht geschickt hat, erklingt aus den Boxen Sinatras „My Way“. Irgendwie passt das auch zu Justin Timberlake.

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