So kann es bleiben

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„Nichts bringt mich runter“, versichert Sänger Adel Tawil beim Frankfurter Konzert.

Frankfurt - Frauen mit jüngeren Männern liegen im Trend: Madonna und Jesus Luz, Demi Moore und Ashton Kutcher, im Pop-Ensemble 2Raumwohnung Inga Humpe und Tommi Eckart. Von Ferdinand Rathke

Da mag die ältere Schwester Annette, einst Aushängeschild der NDW-Kapelle Ideal, nicht nachstehen: Mit dem 19 Jahre jüngeren Adel Tawil feiert die 60 Jahre alte Veteranin im Projekt Ich & Ich ein erstaunliches Comeback. „Gute Reise“ ist, nach dem dritten Album betitelt, das Motto der Tour des Paars, das seit 2004 kollaboriert. Im Studio führt die erfahrene Annette Regie, bei Auftritten macht sich die von Lampenfieber Geplagte rar. Wer beim fast ausverkauften Gastspiel in der Frankfurter Festhalle gehofft hatte, sie würde sich durchringen, sieht sich getäuscht. Per Website verlautbarte das Gespann vor geraumer Zeit, dass Humpe bei Konzerten nicht dabei sei. Es bleibt Sänger Tawil überlassen, Vorwürfe wie „Mogelpackung“ und „Etikettenschwindel“ zu entkräften und das Konzept zu präsentieren.

Souverän wirkt der von einem siebenköpfigen Ensemble begleitete Adel Salah Mahmoud Eid El-Tawil nicht. Zum Auftakt fällt der Sohn eines ägyptischen Vaters und einer tunesischen Mutter weniger durch Stimmleistung als durch Dauerlächeln auf. Zur Klasse des stilistisch ähnlichen Kollegen Xavier Naidoo fehlt dem ehemaligen Mitglied der Band The Boyz der Tonumfang. Doch in unsicheren Zeiten klammert sich das altersgemischte Publikum mit hohem Frauenanteil an die tröstlichen Botschaften von „Nichts bringt mich runter“, „Du erinnerst mich an Liebe“, „Vom selben Stern“ oder „Universum“. Hymnischer Pop mit Soul-Anteil, wie aus der Retorte. Ein Schelm, wer für diese Mischung das Wörtchen Produktpiraterie in den Mund nähme ...

Zügig spult Tawil das aus drei Platin-Alben zusammengebastelte Repertoire ab, unterbrochen von unsicherem Geplauder. Humpes Vokalbeiträge übernimmt Sängerin und Geigerin Maria Helmin. Gast ist der ägyptische Sänger Mohamed Mounir. Mit dem Ton-Steine-Scherben-Klassiker „Halt dich an deiner Liebe fest“ präsentiert sich Tawil nur zu Pianobegleitung. Quasi als Pflichtübung gibt es drei Stücke unplugged auf einer Kleinbühne. „So soll es sein, so kann es bleiben“, beschwört Tawil den Dauererfolg des Konzepts. Das gönnt sich freilich, wie zu hören ist, eine längere Kreativpause.

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