Hochkarätige Lehrstunde

Offenbach - Eine hochkarätige Lehrstunde erteilte Karstein Askeland, Domorganist im norwegischen Bergen, den Zuhörern in Seligenstadts Einhardbasilika an der Wilbrand-Orgel. Und das genau zum 25. Jubiläum seines Frankfurter Konzertexamens bei Edgar Krapp. Von Reinhold Gries

Mit der ausladenden „Sonate in e pro organo“ (2007) des Bergener Kollegen Stig Wernö Holter stellte Askeland an sich und die Zuhörer schon zu Beginn höchste Ansprüche. In vertrackter Kontrapunktik, diffizilen Läufen und homogenen wie dissonanten Akkordfolgen wimmelte es von Höchstschwierigkeiten. Kraftvoll ging der 49-Jährige, der als Student mehrfach in Seligenstadt konzertierte, in die Monumentalität, spielte den Mittelsatz sehr verinnerlicht, um nach rasanten Sprüngen und Modulationen zu aufwühlendem wie klangmächtigem Finale zu gelangen.

Mit Johann Sebastian Bachs viersätzigem „Präludium und Fuge E-Dur“ folgte ein weiteres Schwergewicht, das aus je zwei ineinander geschachtelten Toccaten und Fugen besteht. Zwischen heiter beschwingtem Präludieren, kraftvollen Akkordschichtungen und kaum überschaubaren Fugenketten samt eingestreuten Verzierungen bot Askeland Bach pur. Großartig seine stilkundlichen Versionen zu Johann Francks Choral „Schmücke dich, o liebe Seele“, 1649 von Johannes Crüger vertont. Erstaunlich nah kamen sich dabei Bachs Vertonung, die seines Schülers Gottfried August Homilius und die von Johannes Brahms komponierte, posthum veröffentlichte Choralprelude in E-Dur.

Das denkwürdige Konzert endete mit der Choralfantasie zu „Halleluja, Gott zu loben bleibe mein Seelenfreund“, Max Regers krönendem Orgelwerk in diesem Genre. Askeland fand zu kristallklarer wie üppiger Ausdeutung der Variationsreihe., wie er bewegte Einleitungstakte im Pedal durchführte, in Bässen wie im Cantus firmus von der Vergänglichkeit weltlicher Macht sprach und dann von verträumten Betrachtungen in Melancholie führte. Nach gewaltiger Fuge und großartigem Orgelbrausen erhielt der Orgelmeister sehr langen Beifall.

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