Den Kastraten musikalisch Ehre erwiesen

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„La Bartoli“ im Kostüm eines Edelmannes

Farinelli ist der bekannteste unter den Kastraten des 18. Jahrhunderts, denen Cecilia Bartoli ihr Tourneeprogramm widmet. Sonore Namen hatten sie alle, ob Caffarelli oder Porporino, der sich so nannte, weil sein Lehrer Nicola Porpora eine Größe im italienischen Operngeschäft war. Von Axel Zibulski

Dessen Arien bildeten einen Schwerpunkt im Programm, das Bartoli in der Alten Oper Frankfurt sang und das sie auf ihrer jüngsten CD „Sacrificium“ aufgenommen hat.

Der zeitliche Abstand zur Kastraten-Mode mag den unbeschwerten Umgang legitimieren. Bartoli, um Effekte nie verlegen, trat im Kostüm eines Edelmannes auf – zur Begeisterung des Publikums, das ihre subjektive Auswahl geschätzt haben dürfte. Unter den Arien Porporas und seiner Zeitgenossen ist viel mittelklassige Gebrauchsmusik, der sie sich ähnlich nähert wie zuvor Georg Friedrich Händel: Sie platziert extreme Höhen ebenso effektvoll wie abschattiertes Pianissimo, das bei enger Stimmführung auf Dauer eher mechanisch als suggestiv wirkt.

Begleitet wurde Bartoli vom Kammerorchester Basel, das auf historischen Instrumenten bereits in Porporas eröffnender Sinfonia zur Oper „Meride e Selinute“ kernig, würzig und frisch spielte. Momente spätbarocker Unterhaltung garantierte das sekundierende Vogelgezwitscher zu Porporas Nachtigallen-Arie aus der Oper „Siface“. Bartoli garnierte das stilistisch recht monochrome Programm mit einem Schluchzen hier, einem forschen Kopfnicken da.

Musikalisch gelang nicht alles überzeugend. Bei zunehmend strapaziert wirkendem Timbre konnte sich ihr Mezzosopran am besten in Arien entfalten, in denen jene virtuose Geläufigkeit im Vordergrund steht, die Bartoli bei raschen Läufen und weiten Intervallen höchst souverän abruft. Gleichwohl übertrug sich die emotionale Schablonenhaftigkeit der Arien eines Leonardo Leo, Francesco Araia oder Carl Heinrich Graun auf die Interpretation.

Mit „Sacrificium“ hat Bartoli den Kastraten Reverenz erwiesen. Und doch wirkte sie noch beflügelter, als sie zu Beginn des Zugabenteils mit einer Händel-Arie musikalisch Hochklassiges bot!

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