Katie Melua in der Alten Oper

Sternstunde einer Pop-Nymphe

Frankfurt - Große dunkle Rehaugen, eine beneidenswert schmale Taille, den Kopf voll schönster Kringellocken und eine Figur, die das zierliche Stimmwunder noch mädchenhafter erscheinen lässt – schon optisch hat Katie Melua allerhand zu bieten. Von Maren Cornils

Dass die gebürtige Georgierin, die 2003 mit „The Closest Thing To Crazy“ ihren ersten großen Welterfolg feierte, trotz ihrer fragilen 1. 57 Meter musikalisch zu den ganz Großen zählt, bewies sie bereits mit ihrem ersten Album „Call Off The Search“ sowie drei weiteren, im Abstand von maximal zwei Jahren produzierten Hit-trächtigen Scheiben. Das stimmgewaltige Pop-Nymphchen machte nun in der Alten Oper Frankfurt Station und stellte dort vor ausverkauftem Saal ihr neues, mittlerweile fünftes Album, „Secret Symphony“ vor.

Nachdem das Publikum einen überraschend guten Support Act – die Australierin Kate Miller-Heidke – erlebt und eine mehr als 30-minütige Umbauphase überstanden hat, kann es losgehen: Zu tosendem Applaus eröffnet eine noch etwas schüchtern wirkende Melua mit dem Titeltrack „Piece By Piece“ den Abend. Nach der ruhigen und melodischen Liebeserklärung „If You Were A Sailboat“ und einem ironischen „I’d Love To Kill You“ folgt ihr Hit-Debüt, bei dem die auf der riesigen Bühne beinahe verloren wirkende Sängerin Unterstützung von einem weiblichen Streicherquartett erhält.

Eine ganz andere, wesentlich kraftvollere Seite lernt das begeisterte Publikum bei dem vom Orchester unterstützten „The Flood“ kennen, bei dem Katie Melua unbekümmert Klezmer-Klänge mit orientalischem Sound mixt, Bass, Schlagzeug, Piano und E-Gitarre die Sängerin jedoch fast zu übertönen scheinen.

Wesentlich näher an dem, was das Phänomen Katie Melua ausmacht, ist indes „A Moment Of Madness“, eine wunderbar jazzige Gute-Laune-Nummer, bei der das Piano gekonnt Akzente setzt. Ob Liebe, Herzschmerz oder Heimweh – Katie Melua versteht es wie allenfalls Sangeskollegin Norah Jones, die Klaviatur der Emotionen rauf und runter zu spielen, ohne dabei in Kitsch zu ertrinken: Sie singt über die Suche nach den eigenen Wurzeln, über das Abschied nehmen und die Einsamkeit von Hotelzimmern, aber auch über Selbstzweifel und das Gefühl des Entliebens.

Ihre Texte sind dabei so poetisch, ja weise, dass es so gar nicht zu den 28 Lenzen der erfolgsverwöhnten Singer-Songwriterin zu passen scheint. Dass sich Katie Melua den größten Teil des Abends selbst mit der Gitarre begleitet, mit einer Mühelosigkeit, die sogar wesentlich ältere Kollegen selten an den Tag legen, zeigt, wie eng ihre Beziehung zur Musik ist.

Mehr als 15 Titel hat Katie Melua im Gepäck, und mag das Elektronische, instrumental Überfrachtete ihrer neueren Songs auch nicht jedem gefallen: Je später der Abend, desto mehr geht die Sängerin aus sich heraus, wackelt zum Bass-betonten „Shy One“ lasziv mit den Hüften und zeigt mit einem schnulzig-schönen „Secret Symphony“ sowie einem rockigen „Moonshine“, wie groß ihre musikalische Bandbreite ist.

Am Ende nimmt eine völlig gelöste wirkende Katie Melua strahlend die verdienten Ovationen entgegen. Von dieser Künstlerin, das ist spätestens nach diesem Auftritt klar, wird noch viel zu hören sein!

Rubriklistenbild: © dpa

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