Britische Band begeistert

Keane im Capitol: Zum Steinerweichen

+
Keane-Frontmann Tom Chaplin in bekannter Pose.

Offenbach - Als Keane 2004 mit der „Rolling Stone Roadshow“ das erste Mal in Offenbach gastierten, war schon die Besetzung außergewöhnlich: Schlagzeug, Keyboard und Gesang, mehr brauchten die Briten nicht, um das Capitol-Theater in der Goethestraße in Verzückung zu stürzen. Von Carsten Müller

In den glücklichsten Momenten fügten sich der leicht verschleppte Rhythmus von Drummer Richard Hughes, der charakteristische Piano-Sound von Tim Rice-Oxley und die tagträumerisch-seelenvolle Stimme Tom Chaplins zu einem hymnischen, emotional aufgeladenen Sound, der selbst Steine erweichen ließ.

„Hopes And Fears“, das erste Album der seit vergangenem Jahr offiziell zum Quartett erweiterten Band, besitzt nach wie vor eine Ausnahmestellung, wie sich beim jetzigen Wiedersehen im Offenbacher Capitol zeigte. Stücke wie „Everybody’s Changing“, das schon als drittes Lied im knapp zweistündigen Set auftauchte, „This Is The Last Time“ , „Bend And Break“ oder auch „Somewhere Only We Know“ wurden aus vielen Kehlen mitgesungen. Was den angesichts der textsicheren Begleitung erfreuten Sänger Tom Chaplin zur Bemerkung veranlasste, dass Deutschland schon ein besonderes Pflaster sei – weil die Band in kaum einem anderen Land derart treue Anhänger besitze.

Das hiesige Publikum hat offensichtlich eine Ader für Keanes gefühlvolle Seiten. Folgerichtig stehen Titel wie „Silenced By The Night“ oder das eingängige „You Are Young“ für den Versuch einer Rückbesinnung auf alte Erfolgszeiten, als eine Britpop-Welle Bands wie Travis und Starsailor, Coldplay und eben auch Keane international bekannt machte. Manches davon ist Geschichte, Keane aber blieben zusammen, auch wenn vier Alben in 15 Jahren Band-Geschichte nicht unbedingt von einer Leichtigkeit des Seins künden. Zwischenzeitlich verfolgte man auch mal eine kommerziellere Linie, für die beispielsweise das in seiner Funkyness an Duran Duran erinnernde „Spiralling“ steht, das in Offenbach ebenso begeistert gefeiert wurde.

Ganz konsequent haben Keane diesen Rückgriff nicht vollzogen, was weniger komplexe, aber treibende Stücke wie „On The Road“ auf dem neuen Album belegen. Man ist offen für Experimente. Und Sänger Tom Chaplin, auf den die Show vor Jahren noch zugeschnitten war, agiert jetzt als Erster unter Gleichen, der mit seiner Ausnahmestimme mühelos höchste Lagen erklimmt, aber weniger verletzlich erscheint. Vom introvertierten Spätpubertierenden, dem das Scheinwerferlicht auch Bürde zu sein schien, hat er sich zur veritablen Rampensau entwickelt, die regelrecht das Haus rocken kann. Eine erfreuliche Erkenntnis.

Kommentare