Keine Heidi,

Offenbach - Ironie ist natürlich mit im Spiel, wenn eine Schweizer Popmusikerin sich Heidi Happy nennt. Unter diesem Namen firmierende Priska Zemp gastierte nun im Offenbacher Hafen 2. Von Stefan Michalzik

Priska Zemp ist, wie man angesichts ihres Pseudonyms wohl nicht sogleich vermutet hätte, eine ernsthafte Singer/Songwriterin mit ausgeprägter Popambition. Alpenländisch wirkt an ihrer Musik nichts. Auf dem unlängst veröffentlichten dritten Album „Hiding with the Wolves“, dessen Nummern einen Großteil des Konzertrepertoires ausmachten, ist die leicht hauchbelegte Altstimme in schlichter Schönheit orchestral umflort. Die feenhafte Inszenierung der verwunschen-romantischen Coverikonografie mit langen Haaren und wallendem weißen Kleid – Zemp zieht ein Boot mit einem heulenden Wolf an Bord auf einen Strand - schreit förmlich nach einer Einordnung als Elfe.

Auf der Konzertbühne indes ist eine charmante, selbstbewusste junge Musikerin zu erleben, die genau weiß was sie will – und keine Märchengestalt. Die Songs, in denen es um Gefühle wie auch um Alltagserfahrungen geht, wirken so nachdenklich wie lebensbejahend. Zemp wechselt zwischen der akustischen und der elektrifizierten Gitarre, gelegentlich trommelt sie oder sie spielt Melodica. Ephrem Lüchinger, ihr einziger Begleiter, spielt analoge Synthesizer und gelegentlich auch Glockenspiel sowie gleichfalls Melodica. Ungeachtet live eingesampelter elektronisch aufgefächerter Chöre und anderer technischer Kniffe wirkten die Livearrangements luftiger als die Studioaufnahmen – womit die Songs sogar eher gewannen als verloren.

Rubriklistenbild: © Thomas Siepmann / pixelio

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