B.B. King erzählt und spielt auch gelegentlich Gitarre beim Auftritt in der Höchster Ballsporthalle

Keine singt so schön wie Lucille

Eine Audienz. Stehende Ovationen gleich beim Erscheinen. Der Mann, den sie da feiern, gerät im Laufe des Abends immer wieder mächtig ins Plaudern. Am Schluss wollen einige Verehrer sich ihre Gitarre mit einer Signatur veredeln lassen. Oh ja, nicht zu vergessen: Zwischendurch hat er gesungen und auch immer mal wieder ein wenig Gitarre gespielt.

Das macht er nach wie vor großartig, aber ein bisschen mehr davon hätte es getrost sein dürfen. Doch wer wird sich schon ernstlich beschweren wollen. B.B. King, der 83 Jahre alt ist und in seinem 60. Karrierejahr steht, ist längst ein Musiker über den Dingen. Eine nominelle Abschiedstournee hat er schon hinter sich. Aber wer hätte ernstlich geglaubt, dass einer wie B.B. King tatsächlich Abschied zu nehmen vermag von der Bühne. So sitzt er denn in der Höchster Ballsporthalle wie ehedem im Kreis seiner Musiker.

Stehen kann B.B. King seit zehn Jahren nicht mehr über die Distanz eines Konzerts. Auch dauern die Abende nicht mehr Stunden, sondern etwas mehr als 90 Minuten. Vital wirkt er noch immer, bloß eben nicht mehr ganz so unermüdlich. Wer wollte ihm das verdenken.

1949 hat B.B. King in Memphis seine erste Single eingespielt. Er hat den Rhythm’n’Blues befruchtet, die Keimzelle dessen, was wenig später als Rock’n’Roll die Basis für die heutige Rock- und Popmusik legen sollte. Sein Weltruhm keimte aber erst Mitte der 60er Jahre auf, als sich die Generation der damals jungen englischen Bluesrocker, an der Spitze Eric Clapton und die Rolling Stones, öffentlich zu ihrem Idol bekannten.

Er war der große Neuerer, der den Blues vom Ruch der Folklore befreite und ihn mit einem urbanen Zuschnitt neue Perspektiven erschloss. Seine wichtigste Leistung aber war die Entwicklung einer Spielart, die nicht zuletzt den allüberragenden Innovator Jimi Hendrix prägen sollte. B.B. King spielt auf seiner seit Urzeiten Lucille genannten Gibson Bottle neck-Gitarre ohne Bottleneck. Sein Vibrato entwickelt er aus dem Handgelenk heraus, lang gezogene Einzeltöne wechseln mit blitzgeschwinden Läufen.

B. B. King, der zum Höchster Konzert wie immer das Jackett der Las-Vegas-Entertainer trägt, hat sich seit Jahren als Showman verstanden. Mag das Verschwinden der Geliebten in seinen Texten auch Pein bereiten, so ist der Blues bei King doch primär eine Feier des Lebens und nicht eine Leidensmusik. Der Bariton strahlt nicht mehr ganz so hell, im retrospektivisch angelegten Konzertrepertoire fand sich neben vielen Perlen auch die verzichtbare Schunkelnummer „You Are My Sunshine“ und die Motorik der hochprofessionellen, eine Bläsersektion einschließenden Band lief ein wenig zu sehr geschmiert. Doch wenn B.B. Kings Gitarre singt, schweigt alle Kritik.(zik)

Kommentare