Auf Kempffs Spuren

Frankfurt - Am Vorabend seines 30. Geburtstags gastierte der französische Pianist David Fray in der Alten Oper. Ästhetisch fühlte man sich von ihm freilich an weit frühere Klavier-Generationen erinnert. Von Axel Zibulski

Als größtes Vorbild hat er schließlich einmal seinen 1991 verstorbenen Kollegen Wilhelm Kempff genannt, so stilbildender Schubert-Interpret wie gefürchtet romantisierender Bach-Spieler.

Auf den Spuren des großen Vorbilds ließ sich der Sohn einer Deutschlehrerin und eines Philosophieprofessors in den solistischen Teilen mit der Amsterdam Sinfonietta hören. Frays einzige Zugabe, Franz Schuberts Moment Musical As-Dur op. 94/2, klang zwingend verinnerlicht, mitreißend abgründig, tief durchdacht. In Johann Sebastian Bachs Klavier-Partita Nr. 6 e-Moll BWV 830, in der ersten Konzerthälfte auf dem Pro-Arte-Programm, blieben hingegen Wünsche offen: Der viel zu weiche, aufschwimmende Anschlag ließ Transparenz vermissen, das wenig akzentuierte Spiel die rhythmische Würze der Tanzsätze, Frays allzu gemessenes Tempo jeglichen Esprit. Das war Geschmackssache; der Beifall im mäßig besuchten Großen Saal war nicht mehr als freundlich.

Umso mitreißender gestaltete Fray Wolfgang Amadeus Mozarts Jeunehomme-Klavierkonzert Es-Dur KV 271, ein wenig verzierungsverliebt zwar und im Finale plötzlich übermäßig straff, dafür aber auch fein ausgehorcht im Dialog mit dem Orchester, das mehr als Begleiterscheinung war.

Bereits eingangs, in Mozarts Sinfonie Nr. 29 A-Dur KV 201, zeigten die Musiker um Konzertmeisterin Candida Thompson, dass sie sich mehr als groß besetztes Kammermusik-Ensemble denn als kleinformatiges Orchester verstehen. Aufmerksam, hellhörig, lebendig wirkte ihre Interaktion, schlank und transparent ihr Klang.

Auf der Grundlage des bevorzugten, freilich hoch sauberen Pianospiels erwiesen sie auch Gustav Mahler, dessen 100. Todestag sich vor wenigen Tagen jährte, eindringlich Reverenz: Die Streicher-Fassung seines jugendlichen Quartettsatzes a-Moll war einer der leisen Höhepunkte; David Fray sollte ähnliche Intensität erst in seiner Schubert-Zugabe erreichen.

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