Kinderszenen für Große

Offenbach - Wieder bewies das Neujahrskonzert der acht Pianisten im Offenbacher Büsingpalais seine Anziehungskraft. Obwohl das Motto „Kinder! Kinder!“ hieß, war Jugend im voll besetzten Saal kaum zu entdecken. Von Eva Schumann

Peter Josef Kunz-von Gymnich, der gewohnt humorvoll durch das Programm führte, verriet, wem die Programm-Idee zu verdanken war: Lydia Gesenhus, Ex-Leiterin des Kulturamts, hatte sich das Thema gewünscht; ein ergiebiges, denn viele Komponisten haben Musik für Kinder geschrieben. Allerdings ist diese meist technisch so anspruchsvoll, dass nur Wunderkinder oder Erwachsene sie spielen können. So kredenzte Claude Debussy seiner kleinen Tochter den Zyklus „Children’s Corner“ mit den „liebevollsten Entschuldigungen“. Dass die Szenen hohe Anforderungen an den Interpreten stellen, war an der spür- und sichtbaren Konzentration von Ronald Fries zu erkennen. Mit bewundernswertem Können malte er vier impressionistische Bilder, ließ Schneeflocken flattern und Golliwogg Cake-Walk tanzen, ein wahrer „Doctor gradus ad parnassum“.

Der Nostalgie eines Erwachsenen entstammen Robert Schumanns „Kinderszenen“. Träumerische Stimmung beschwor Werner Fürst, der sieben Kompositionen in meist ruhigen Tempi interpretierte. Den rasanten Gegensatz dazu bildete der „Hasche-Mann“.

Klavier kommt nicht an Orchersterfassung heran

Peter Tschaikowskis „Nussknacker-Suite“ lieben Kinder wie Erwachsene. Doch die Klavierbearbeitung von Stepán Esipoff ist nicht für Kinderhände bestimmt. Jürgen Blume spielte fünf Tänze. Auch wenn der Tanz der Zuckerfee lieblich klingelte und der Blumenwalzer schwungvoll über die Tasten rauschte: Den Reiz der Orchesterfassung kann das Klavier nicht erreichen.

Mit drei Kostproben aus Dmitri Kabalewskis „15 Kinderstücken“ standen wirklich kindgerechte Stücke auf dem Programm. Voller Klarheit, Witz und Souveränität verstand Frank Spannaus sie zu präsentieren. Vorangestellt hatte er vier von Chick Coreas „Children’s Songs“. Sie hörten sich rhythmisch so verzwickt an, dass wohl nur ein versierter Pianist sie so perfekt wiedergeben kann.

Glänzendes Zusammensppiel als genussvolles Finale

Zwei Pianisten an einem Flügel müssen sich gut vertragen. Das ist bei Elena Kotschergina-Schultheis und Olaf Joksch der Fall. Einträchtig erzählten sie so poetisch wie fulminant die Geschichten von Maurice Ravels „Mutter Gans“ und überboten diese Leistung noch mit sechs Stücken aus Georges Bizets „Jeux d’enfants“. Transparenz und Plastizität, Sensibilität und technische Perfektion vervollkommneten sie mit Spielfreude.

Nicht in die Quere kommt man sich an zwei Flügeln. Für diese Version entschieden sich Hans-Wolfram Hooge und Kunz-von Gymnich. Die Auswahl aus Ernst von Dohnányis Variationen über das Kinderlied, das Deutschen als „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ bekannt ist, war die Abschiedsgala Hooges, eben 70 geworden. Beide setzten mit launiger Interpretation und glänzendem Zusammenspiel ein genussvolles Finale. Zum Dank für den Beifall ließen sie den Weihnachtsmann noch einmal Walzer tanzen.

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