King Kong auf Pop-Abwegen

„Wir kommen auf jeden Fall wieder“, verkündet Peter Fox zum Abschied und fasst die Euphorie aus 90 Minuten zusammen.

Der Überflieger deutscher Pop-Provenienz mit haushohem Sieg beim Bundesvision Song Contest, dem Nummer-1-Album „Stadtaffe“ und drei Echos fährt in der ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle eine 16-köpfige Formation auf – und lässt Virtuosität, Innovation sowie Leidenschaft erkennen.

Zuhause ließ der 37 Jahre alte Berliner, bürgerlich Pierre Baigorry, das Babelsberger Filmorchester, das beim mit Dreifach-Gold und Einmal-Platin ausgezeichneten Solodebüt „Stadtaffe“ assistierte. Opulente Orchesterarrangements filtert ein Keyboarder aus der Konsole. Das ist der einzige Abstrich am innovativen Konzept des Kreuzberger Familienvaters mit halbseitiger Gesichtslähmung.

Als Ersatz engagierte der als einer von drei Sängern im Berliner Ensemble Seeed erfolgreiche Fox die Cold Steel Drumline aus North Carolina, vier massige Afroamerikaner, die virtuos gigantische Trommeln bearbeiten. Die wuchtigen Schläge bleiben im Kontext mit satter Brass-Sektion und punktgenauer Rhythmus-Truppe nicht ohne Wirkung beim euphorisierten Publikum: Gleich zum Auftakt verleihen 4700 Zuschauer dem Song „Lok auf zwei Beinen“ tanzend, jubelnd und johlend eine neue Deutung.

Abwechslungsreich gestaltet Fox sein zwischen Reggae, Dancehall, Soul und HipHop oszillierendes Spektakel: Jovial lässt er Hintergrundprojektionen auffahren, präsentiert Gäste wie Miss Platnum, Vanessa Mason und J-Luv. Doch letztlich steht im Mittelpunkt Fox, der bis zum Finale mit Seeeds „Dickes B“, assistiert von einem Sänger mit Affenmaske, nahezu pausenlos mit dem Arm im Takt wedelt. Mit Hymnen à la „Schwarz zu Blau“, „Kopf verloren“ oder der Ballade „Haus am See“ stellt er mal eben Deutschlands Pop-Landschaft auf den Kopf und verweist die hemdsärmelige Gangsta-Rap-Fraktion um Bushido und Sido in ihre Schranken.

Peter Fox alias King Kong, der Pop-Goliath, weiß, wie man Tanzunwillige stimuliert: „Schüttel deinen Speck“, fordert er provokant auf und rennt offene Türen ein. Da das Repertoire nach nur einem Album noch nicht gar zu üppig ist, erlaubt er es sich, gleich mehrere Titel bei seiner Band Seeed zu entleihen. Am eindrucksvollsten gelingt ihm das, als er „Großhirn“ mit Damian Marleys „Jamrock“ fusioniert. Eine großartig arrangierte Fassung von Led Zeppelins Opus Magnum „Kashmir“, das Zep-Gitarrist Jimmy Page als „Come With Me“ in Kollaboration mit Möchtegern-Rapper P. Diddy neu aufgelegt hat, sorgt für eine weitere Überraschung. FERDINAND RATHKE

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