Wie aus Kitsch kunstvolle Widersprüchlichkeit wird

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In Fankreisen kursiert das Gerücht, dass „Diamonds Fall“ möglicherweise das letzte Boa-Album ist, auf dem die Engelsstimme von Pia Lund ertönt. Foto:

Ewig frisch und ewig jung, ewig zynisch und ewig feinfühlig: Phillip Boa ist wieder da. Mit seinen Mitstreitern vom Voodooclub musiziert er nun seit bald 25 Jahren. Als einer der wenigen verdient er noch immer den Stempel „Indie“ - also unabhängig. Sein damals wie heute eigener Stil hat sich seit 1985 wenig gewandelt. Keine Spur von großen Experimenten. Er ist so gut wie eh und je. Von Holger Strehl

Die Mixtur aus den brillanten Refrains, Boas gesprochenen Singversuchen, Pia Lunds himmlischer Engelsstimme und den treffenden Lyrics verzückt nach wie vor.

„Diamonds Fall“ ist bereits das 17. Studioalbum, das Phillip Boa veröffentlicht.

So auch auf dem mittlerweile 17. Studioalbum „Diamonds Fall“, das am 13. Februar ins Licht der Öffentlichkeit treten wird. Und wahrhaftig sind es wieder Musik gewordene Diamanten, mit denen Phillip Boa die neue Scheibe bestückt hat.

Wenn Boa versucht, zu der kitschigen Melodie von „Lord Have Mercy With The 1-Eyed“ „schön“ zu singen, klingt das so ungemein zynisch, dass es eine Wonne ist, den Song wieder und wieder zu hören. Jedes Mal erfreut man sich an der kunstvollen Widersprüchlichkeit, in der sich das Leben wider spiegelt. Spätestens beim achten Track „Coppergirl“ hat man sich an den Gedanken gewöhnt, dass es sich um eines der besten Alben von Phillip Boa And The Voodooclub handelt. Die alte Idee reift und reift und reift - wie beim Wein ist das nur zum Besten für den Genießer. Boa klingt nach immer wie Boa und doch erfrischend neu, als hätte sich eine Nachwuchsband seiner Sachen angenommen und in die Gegenwart transferiert.

„DJ Baron Capdriver“ klingt zwar mehr wie ein Intro, wird aber hoffentlich live sein wahres Gesicht zeigen, wenn er - ein wenig schneller und roher gespielt - die alte Pogomanier zur Reunion fordern wird. „The Race Is Over“ ist Pias Moment. So sinnlich klingt nur Pia Lund. Der Song ist eine zeitlose Phillip-Pia-Komposition, die in ihrer Qualität an „And Then She Kissed Her“ heranreicht.

Neben dem alten Hasen und seiner himmlischen Engelsstimme gehört zu der aktuellen Studiobesetzung kein geringerer als CAN-Legende Jaki Liebezeit, der sich mit den Drumsticks austoben durfte und sein ganzes Können auch hörbar postiert. Tobias Siebert (Produktion, Gitarre, Bass, Keyboards) sowie der 22-jährige Cedric Vella (Gitarre) und Keyboarder Toett komplettieren das Sextett.

„Diamonds Fall“ ist zweifellos ein Meisterwerk unter den vielen aus Boas Feder. Der Meister des Indie-Hardpops mit Avantgarde-Touch berührt einmal mehr das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Mit dem Song „60´s, 70´s, 80´s, 90´s, 10“ bringt Boa dies selbst eindrucksvoll auf den Punkt. „Eigentlich ist absolut alles in der westlichen Popkultur schon erzählt“, sagte Phillip Boa unlängst. Dies trifft auch auf „Diamonds Fall“ zu, doch wir lauschen einfach gern den Erzählungen von Phillip Boa And The Voodooclub, auch wenn die Geschichten altbekannte sind.

25.02.2009 Leipzig, Moritzbastei

26.02.2009 Saarbrücken, Roxy

27.02.2009 Lingen, Alter Schlachthof

28.02.2009 Erfurt, Gewerkschaftshaus

01.03.2009 Berlin, Postbahnhof

03.03.2009 Heidelberg, Karlstorbahnhof

04.03.2009 Köln, Gloria

05.03.2009 Bremen, Lagerhaus

06.03.2009 Hamburg, Markthalle

07.03.2009 Herford, X

08.03.2009 Stuttgart, Röhre

10.03.2009 Bochum, Matrix

12.03.2009 Rostock, Mau

13.03.2009 Dresden, Reithalle

15.03.2009 München, Backstage

Mit dem Voodooclub:

Philister (1985)

Philistrines (1986)

Aristocracie (1986)

Copperfield (1987)

Hair (1988)

Hispanola (1990)

Helios (1991)

Live! Exile On Valletta Street (1991)

Boaphenia (1993)

God (1994)

Hidden Pearls (Fanclub-Release 1996)

She (1995)

Hidden Pearls & Spoken Words (Fanclub Release 1996)

Fine Art In Silver Best Of (1997)

Lord Garbage (1998)

Master Series Best Of 1998

My Private War (2000)

Singles Collection 1985-2001 plus Videos auf DVD (2001)

The Red (2001)

C 90 (2003)

Decadence & Isolation (2005)

BOA Best Singles (2006)

Copperfield Remastered (2006)

Hair Remastered (2006)

Hispanola Remastered (2006)

Faking To Blend In (2007)

Diamonds Fall (2009)

Mit Voodoocult:

Jesus Killing Machine (1994)

Voodoocult (1995)

http://www.phillipboa.de

http://www.boastuff.de

http://www.boaforum.de

http://www.united-fanpages.de

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