Klampfenmann feilt an Arrangements

Die Zeit, die es braucht, um eine gerissene Gitarrensaite zu ersetzen, wird bei Emanuel and the Fears kurzerhand mit einem Satz aus einer Bach-Cellosuite überbrückt. Diese Band um den jungen, aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn stammenden Sänger und Songwriter Emanuel Ayvas präsentiert sich auf ihrer ersten Europareise, die sie in den novitätenfreudigen Offenbacher Hafen 2 führte, in der Stärke von sechs Musikern. Von Stefan Michalzik

Gitarrenpopbesetzung ist um Flöte, Violine und Violoncello erweitert. Im Studio, bei den Aufnahmen für das kürzlich erschienene Debütalbum „Listen“, tummelten sich elf Musiker – samt Trompete, Posaune und Synthesizer.

Im Grunde ist der schmächtige, schwarz gelockte Ayvas der klassische Song writer- Klampfenmann, doch hat er den Reiz ausgefeilter Arrangements entdeckt. Die Melodik geht auf den Folk zurück, zugleich ist die Musik in gewisser Weise funky. Ayas hat die Ausstrahlung eines sensiblen Typen, seine Lieder sind romantisch, ein Melancholiker aber ist er nicht. Er kündet vom Leben, wie es nunmal ist. Die Grundhaltung ist gelöst, Schattenseiten gehören eben dazu.

Emanuel and the Fears haben fraglos ein bemerkenswertes Konzert hingelegt. Bedauerlicherweise ist ein Teil jener Finesse und anarchischen Collagenhaftigkeit verlorengegangen, die ein Kennzeichen des Albums ist. Diese Musik hat im Studio mehr Raum, einzelne Instrumente treten klarer hervor. Womöglich ist gerade die Entscheidung, das elektronische Instrumentarium zu Hause zu lassen, nicht die glücklichste gewesen ...

Der Wille zum Experiment rückt Emanuel and the Fears in eine Nähe zum Artrock der 70er Jahre. Zugleich mag sich das Publikum an die frühe, von Roy Wood geprägte Phase des Electric Light Orchestra erinnert fühlen.

Der baritonale Gesang von Ayvas lässt, selbst wenn er diese Musik verabscheuen sollte, einen Rapfaktor erkennen. Zugleich erinnern der erzählerische Impetus wie die Arrangierkunst an die Tradition des französischen Chansons. Die Musik von Emanuel and the Fears ist wunderschön, ohne dass sie sich in ihrer Schönheit selbst gefallen würde. Dieser Umstand bewahrt sie vor den Klippen der Prätention.

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