Klang-Juwel auf Hochglanz

Mit welch unglaublich schöner Musik Johann Sebastian Bach die Menschheit in seiner „Messe in h-Moll“ beschenkt hat, konnte man beispielhaft in Offenbachs Josefskirche hören. Christoph Sieberts Hessenauswahl aus Offenbachs Vokalensemble Prophet, Bensheims Kammerchor Cantemus, Frankfurts Concerto Classico und solistischen Hochkarätern war bestens vorbereitet. Von Reinhold Gries

Die großartige Siebert-Aufführung hatte Bachs geniale Überformung ebenso transparent gemacht wie den Charakter der Messe-Teile: Zu Beginn gingen chorische Kyrie-Rufe und das vom Orchester expressiv angestimmte Thema fließend in eine fünfstimmige Fuge über. Aufeinanderfolgende Einsätze von Sabine Goetz und Ursula Hofbauer (Sopran), Anne Greiling (Alt), Georg Poplutz (Tenor) und Markus Flaig (Bass) steigerten die Wirkung, das mit Violin-Filigran verschmolzene „Christe eleison“-Duett der Soprane brachte Engelsgesang. Das achtteilige Gloria mit ständig wechselnden Soli und Chören verströmte vokal-instrumentale Klangwogen, in denen Barockhorn, Oboen d’amore und ein Bach-Trompetenkanon für besondere Klangfarben sorgten, während die Streicher um Konzertmeisterin Barbara Mauch-Heinke, Barockcellist Felix Koch, Organist Markus Stein und Cembalist Harald Hoeren reich ornamentierte Klangteppiche webten.

Grandios Hofbauers Koloraturarie „Laudamus te“ zu Mauch-Heinkes virtuosen Violinläufen, sehr innig das Duett von Goetz und Poplutz zum pastoralen Traversflötenmelos Stefanie Kesslers sowie die Oboen-Echos zu Greilings Alt-Arie „Qui sedes“. In tiefen Lagen vibrierten Fagott-Soli und Hornklänge mit Flaigs Bass-Arie „Quoniam tu solus sanctus“. Dazu ging es für den Waldheimer Holzbläser Arie Hordijk in fliegendem Wechsel vom verinnerlichten Chor-Lamento „Qui tollis peccate mundi“ ans Barockfagott und zurück in den Chorbass, um im „Cum Sancto spiritu“ einen fünfstimmig brodelnden Attacca-Schluss mit Paukenwirbeln und Trompetengirlanden folgen zu lassen. Nach dem jubilierenden Amen kamen schon Ovationen zur Nachstimmpause.

Da war eine Steigerung kaum möglich, aber das neunteilige Credo brachte einen Stimmungswechsel ins Spirituelle, zuweilen fast Gregorianische. Das berückende Sopran-Alt-Duett „Et in unum Dominum“ und die profunde Bass-Arie „Et in spiritum sanctum“ umrahmten zentrale Aussagen. Von Siebert unnachahmlich choreografiert, malten die Chorsätze „Et incarnatus est“ und „Cruzifixus“ entrückte Harmonien und mystische Bilder zu Menschwerdung und Kreuzigung Christi. Sie würden Bach-Festen ebenso zur Ehre gereichen wie der trompetenüberglänzte Auferstehungsjubel von „Et resurrexit“. Im sechsstimmigen Sanctus gab es die Prachtfuge „Pleni sunt coeli“ zu hören, an der Generationen von Chören scheiterten, nicht aber „Prophet“ und „Cantemus“.

Nach glanzvollem, zuweilen visionären Klangbild himmlischer Heerscharen, über bewegten instrumentalen Triolenbändern einander das Gotteslob zurufend, wunderte nicht mehr, wie Philipp Tarr an den Pauken swingte und der achtstimmig zu Werke gehende Doppelchor kaum noch zu bremsen war. Nach Greilings meditativer Arie „Agnus de i“ war der gemessene Schlusschor „Dona nobis pacem“ nicht nur liturgisch gemeint. Auch Bach zu Ehren.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare