Klang-Juwel auf Hochglanz gebracht

Seligenstadt - Wie die großen Passionen ist auch Bachs Weihnachtsoratorium ins Konzerthaus-Repertoire gelangt. Dass viele Menschen es schätzen, das Werk im kirchlichen Rahmen zu hören, zeigte sich in Seligenstadt, wo Regionalkantor Thomas Gabriel die Kantaten I-III aufführte. Von Eva Schumann

Und das Auditorium wurde nicht enttäuscht; die Aufführung konnte es mit Angeboten der Alten Oper aufnehmen.

Gabriel näherte sich historisch informierter Aufführungspraxis, indem er mit einem kleinen Instrumentalensemble musizieren und keinen bombastischen Chor auftreten ließ. Das Vokalensemble Seligenstadt erwies sich als ausgezeichnet präpariert. Es gefiel nicht nur mit vielen jungen Stimmen, vor allem im Sopran, sondern auch mit Präzision und textverständlicher Aussprache.

Gabriels Dirigat war stark rhythmisch betont. So schien beim Eingangschor das gesamte sächsische Heer im Dreiertakt einzumarschieren. Die Tendenz zum überdeutlichen Menuett-Taktieren wurde jedoch bei der Alt-Arie durch Solistin und Instrumentalisten abgemildert. Den Chören der dritten Kantate gab Gabriel rasche Tempi. Die Choräle ließ er teilweise sehr langsam, insgesamt jedoch flüssig singen.

Ralf Emge war mit weichem, flexiblem und höhensicherem Tenor ein vortrefflicher Evangelist, der nicht ohne innere Beteiligung berichtete, sich expressive Textausdeutungen jedoch nur zurückhaltend, mit Geschmack und Sensibilität erlaubte. Textverständlichkeit und engagierte Gestaltung zeichnete auch den Bass Stefan Röttig und die Sopranistin Katharina Klotz aus.

Hervorragend interpretierte Ute von Genat die Altpartie, Wärme, Stimmfülle und Beweglichkeit gingen mit Stilsicherheit und makelloser Artikulation einher. Ihre einfühlsam gestalteten Arien waren Höhepunkte der Aufführung. Daran hatten die Instrumentalistinnen wesentlichen Anteil, neben den exzellenten Oboistinnen die Konzertmeisterin Cornelia Scholz mit wunderschönem Violinsolo. Flöte und Trompete konnten sich in der Begleitung von Tenor und Bass vorteilhaft profilieren.

Überhaupt war das ad hoc zusammengestellte, in Barockmusik geschulte Instrumental-Ensemble ein Genuss und machte mit stilsicherer, musikantischer Virtuosität seinem anspruchsvollen Namen „Cappella Orbisphonici Hassiae“ alle Ehre.

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