Klangkunst und Präzision

Frankfurt - Die glanzvolle „Auftakt“-Reihe der Alten Oper Frankfurt setzte ein weiteres Elite-Orchester fort. Von Eva Schumann

Das Philadelphia Orchestra unterstrich auf Einladung von Pro Arte mit „Finlandia“ von Sibelius seine exzellente Klangkultur und die enge Verbundenheit mit Chefdirigent Charles Dutoit, der seit 30 Jahren mit dem Ensemble arbeitet. Plastisch formte er die imposanten Klangmassen des finnischen Paradestücks, ließ satte Klänge entstehen, aus denen Bläsermelodien organisch herauswuchsen.

Mit höchster Präzision folgte ihm das Orchester auch in Ravels G-Dur-Klavierkonzert. Dutoit und der Pianist Jean-Yves Thibaudet, in völliger stilistischer Übereinstimmung, gaben dem launigen, zwischen Jazz und Klassik vagabundierenden Werk viel Pepp, Witz und Süße. Schlagzeugeffekte, Dialoge der Klanggruppen und Kommunikation mit dem Solisten waren exakt, genüsslich und inspiriert.

Eleganz, opulenter Klang und eine mitreißende Stretta

Thibaudet vereinte Delikatesse des Anschlags mit Eleganz, Klarheit und unaufdringlicher Virtuosität. Im Adagio gestaltete er die mozartisch liebliche Kantilene in großer Linie, ließ Ober- oder Unterstimme singen. Solist und Orchester malten ein zauberhaftes, farbiges Gebilde. Umso frecher und spritziger dagegen das Presto. Der Pianist ließ seine Finger tanzen und brachte im spielerischen Zwiegespräch mit dem Orchester die Dissonanzen und Passagen zum Sprühen und Funkeln. Thibaudets brillante Interpretation löste enthusiastischen Beifall aus. Die Zugabe eines Chopin-Préludes bestätigte den Eindruck von Sensibilität und Sanglichkeit seines Spiels.

Die Symphonie fantastique von Berlioz eignete sich vortrefflich dazu, Klangkunst und Präzision des Orchesters zu demonstrieren. Den Dauerbrenner, zumal seit dem Berlioz-Gedenkjahr 2009, konnte man wieder ganz frisch genießen. Dutoit drigierte die Sinfonie ebenso wie die beiden anderen Stücke auswendig. Impulsiv, flexibel, stets transparent wurden die wechselnden Stimmungen vermittelt. Eleganz, opulenter Klang und eine mitreißende Stretta prägten den Ball. Ungemein sprechend war die Melodik der ländlichen Szene gestaltet. Beim Gang zum Richtplatz und bei der Walpurgisnacht geriet das Orchester erst recht in einen wahren Höhenflug. Dank der klugen Ökonomie des Dirigenten war immer noch eine weitere Steigerung möglich.

Zum Dank für den tosenden Applaus rundeten die Gäste das Konzert mit der atemberaubend gespielten „Valse triste“ von Sibelius ab.

Rubriklistenbild: © dpa

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