Klangwelten vereint

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Es war brillant, was das Dozentenensemble „Ricercados“ der Darmstädter Akademie für Tonkunst in Offenbachs Marienkirche bot.

Offenbach - Es war brillant, was das Dozentenensemble „Ricercados“ der Darmstädter Akademie für Tonkunst in Offenbachs Marienkirche bot. Von Reinhold Gries

Die Altmeister Olaf van Gonissen (Barockgitarre), Johannes Fischer (Blockflöten) und Ichiro Noda (Viola da gamba) kamen direkt von Darmstadts Tagen der Neuen Musik, um Canzonen und Sonaten des italienischen Frühbarock zeitgenössischer Flöten- und Kammermusik gegenüberzustellen. Bei Giovanni Paolo Cimas Mailänder Sonata (1610) führte das Trio in weite italienische Kirchenräume. Fischer konnte die Stärken seiner über drei Oktaven führenden Ganassi-Tenorblockflöte ideal ausspielen, zumal Van Gonissen und Noda um weit tragende Kantilenen zarte Saitenfigurationen legten. Anders geartete Kontraste brachte Dimitri Terzakis Duett „Jeux“ (1995) für Sopranblockflöte und moderne Gitarre. Springlebendig die melodiösen Dialoge und gegenläufigen Motive, die atemberaubenden Triller und prägnanten Gitarrenakzente. Jederzeit in sich ruhend führten Fischer und Van Gonissen hier Welten zusammen.

Überraschendes brachte Giovanni Battista Fontanas bunte venezianische „Sonata seconda“ von 1641. Abrupt mündeten ruhige, lange Notenwerte in temporeiche Ausbrüche der Virtuosität. Innovativ und doch zeitlos Per Nörgards „Balkonscene“ (2000) für Flöte und Gitarre, die Spektralharmonik und Rhythmen des Goldenen Schnitts mit „Unendlichkeitsreihen“ verband. Das fein austarierte Lento erinnerte an fernöstliche Zen-Meditationen.

Barocken Glanz verbreitete Girolamo Frescobaldis „Canzon Quarta“ von 1608, im Wechselspiel der Diskantstimmen mit dem Bass auf spätere Triosonaten verweisend. Tänzerisch und expressiv wirkte Michael Berkleys Londoner „Pas de Deux“ (1985) für Flöten und Gitarre, deren Klangspektrum von unruhigem Brodeln über spanische Saitenwirbel bis zu gespenstisch gezupftem „Totenwalzer“ reichte. Die Klangreise endete fast zu früh. Aber Dario Castellos venezianische „Sonata prima“ von 1621 brachte nochmals alles, was das mit viel Beifall bedachte Konzert auszeichnete: Ausdruckstiefe und Ideenreichtum, spielerische Heiterkeit und zupackenden Spielgestus.

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