Äthiopischer Pianist Girma Yifrashewa in Frankfurt und Ober-Roden.

Klassik-Star aus Afrika

+
Zwei Konzerte absolvierte der äthiopische Pianist Girma Yifrashewa bei seiner Stippvisite im Rhein-Main-Gebiet. Er träumt von einer Karriere in Deutschland, dem gelobten Klassik-Land.

Ein Äthiopier, der am Klavier Beethoven, Chopin und Debussy spielt: In seiner Heimat Addis Abeba wirkt der so exotisch wie ein Buschtrommler in Oberammergau. Doch Girma Yifrashewa, der zu den raren Meisterpianisten Schwarzafrikas zählt, hat dieser Ausnahme-Status beflügelt. Nach zwei erfolgreichen Konzerten im International Women’s Club und im Bechstein Center Frankfurt wirkt er an diesem Morgen im Ober-Rodener Institut für musikalisch-mentales Interpreten-Training der Viviane Goergen derart entspannt, als käme er gerade aus dem Urlaub.

Bei Goergen, ebenfalls eine begnadete Pianistin, hat der sympathische Mann sich vor den Konzerten noch die Feinabstimmung geholt. Und schon bei den ersten Takten der Polonaise von Chopin, spürt man, dass da keine schnöde Dressur vorgeführt wird. Glasklar tönt’s, mit einer Emotionalität gespielt, die von innen nach außen drängt.

1967 in Äthiopiens Hauptstadt geboren, hatte sich Jung-Girma an der Kirar versucht, einem Harfen-ähnlichen Instrument. Offenbar so gewissenhaft, dass die Yared School Of Music auf ihn aufmerksam wurde. Dort stand ein Klavier, einziges nicht traditionelles Instrument. Und fortan beschloss der Musikschüler, Pianist zu werden. Nach vier Jahren Unterricht erhielt Yifrashewa ein Stipendium für ein Master-Studium am Staatlichen Konservatorium von Sofia (Bulgarien), wo er bei Professor Kurtev die höheren Pianierweihen empfing. Während der Polit-Wirren zur „Wende“-Zeit musste Girma das Land verlassen. Nach sechsmonatigem Aufenthalt in Rom konnte er seine Studien in Sofia beenden, um sich schließlich in Meisterkursen an der Royal Academy in London und an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig den letzten Schliff zu holen. Er fühlt sich als „Botschafter der Klassik“ auf dem afrikanischen Kontinent, den er in vielen Tourneen durchquerte.

Zwar gibt es in Addis Abeba ein Nationaltheater und ein deutsche Kultur vermittelndes Goethe-Institut, doch Klassik-Konzerte finden eher in Hotels und Botschaften statt. In der deutschen Botschaft steht der einzige Flügel der Stadt, ein nobler Grotrian Steinweg. Ein Höhepunkt war das Konzert zum 100-jährigen Bestehen der deutsch-äthiopischen Beziehungen 2005. Als Solist des Leipziger Jugend-Symphonie-Orchesters spielte Girma Beethovens Klavierkonzert Nr. 2, „mein Ritterschlag“, wie der Pianist heute stolz bekennt, mittlerweile selbst Dozent an der Yared School Of Music. Darüber hinaus hat er sich auch als Komponist einen Namen gemacht, wovon eine CD kündet. Mit Stücken, die äthiopischen Volkston und -rhythmus in kunstvoll-virtuose Klavierklang-Sphären überführt. Und Träume hat der Pianist natürlich auch. Eine Karriere in Deutschland, dem gelobten Klassik-Land, steht da an erster Stelle. Sein Wille hat ihn schon weit gebracht. Fürs richtige Gleis sorgen Wegbereiter wie Viviane Goergen und die Heusenstammerin Helga Mengistu-Faust. Logisch, dass Girma noch einen Koffer in Ober-Roden und Heusenstamm hat.KLAUS ACKERMANN

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare