Helen Schneider in Dreieichenhain

Klassiker im Country-Gewand

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Jugendlich wirkende Lady: Helen Schneider

Dreieich - Als Zugabe spielt sie tatsächlich „Rock’n’Roll Gypsy“. Das war Helen Schneiders größter Erfolg, den sie gleich zu Anfang ihrer mittlerweile rund 30-jährigen Karriere feierte. Von Anke Steinfadt

Den Song spielt sie allerdings nicht in der Version von 1981, sondern im Country-Stil - passend zu den vorangegangenen anderthalb Stunden. Country-, Blues- und Folk-Perlen bilden den Schwerpunkt des Programms „Juke Box Blues“, das die in Deutschland lebende New Yorkerin im stimmungsvollen Ambiente der Burg Dreieichenhain, begleitet von ihrem Trio „M’Jobi“ (Kontrabass, Gitarre, Schlagzeug), präsentiert. Im ersten Teil widmet sie sich dem Repertoire von June Carter, Country-Größe und Ehefrau von Johnny Cash, aus deren Feder viele seiner Songs stammen. So auch „Ring Of Fire“, den Helen Schneider mit ihrer in allen Facetten beeindruckenden Stimme und in einem ganz eigenen Stil vorträgt.

Mit Bubikopf und blutroten Lippen wirkt die 61-Jährige jugendlich und ladylike zugleich. Schwarze Schlaghose und ein schlichtes Top unterstreichen die schmale Silhouette. Ihre Bewegungen sind geschmeidig, ihre Gesten elegant; ihre Mimik ist ausdrucksvoll. Die als Musicaldarstellerin erfolgreiche Künstlerin lässt Ansagen und Musik gekonnt zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen, flicht geschichtliche Fakten und persönliche Erinnerungen mit ein. Sie behandelt das mit ihr gereifte Publikum wie alte Freunde.

Nach der Pause stehen amerikanische SingerSongwriter-Klassiker der 60er-Jahre im Mittelpunkt. Lieder von Bob Dylan, Joni Mitchell, Peggy Lee und Leonhard Cohen. Helen Schneider interpretiert die Songs emotional, manchmal auch artifiziell und immer wieder gibt es berauschende Instrumentalteile. Ein intensiver Höhepunkt ist die nur von akustischer Gitarre begleitete Version des Simon & Garfunkel-Evergreens „Bridge Over Troubled Water“. Am Ende des Abends, nachdem die 2013er-„Rock’n’Roll Gypsy“-Version verklungen ist, sagt Helen Schneider: „Ich bin zu alt, um euch mit diesem Lied zu verabschieden“. Eine von vielen selbstironischen Gesten. Dann gibt sie dem Publikum neben „Kommt gut heim“ noch „Dream A Little Dream Of Me“ mit auf den Weg.

Der Auftakt der Burgfestspiele in Dreieichenhain

Auftakt der Burgfestspiele 2013

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