Klassische Gitarrenklänge am Lagerfeuer

Die Straßen von San Francisco haben nicht nur dem japanischen Konzern Sony, sondern auch einem schwedischen Sänger mit argentinischen Wurzeln Aufmerksamkeit beschert. In einem berühmt gewordenen Werbespot hüpften Tausende Bälle die steilen Straßen der Stadt zur Frisco Bay hinab, dazu erklang ein sanfter, berührender Folksong. Von Christian Riethmüller

„Heartbeats“ hieß das Lied, mit dem José González vor drei Jahren in der ganzen Welt zu hören war. Obwohl nur Cover-Version eines Hits der schwedischen Synthie-Popper The Knife, weckte „Heartbeats“ die Neugier auf weiteres González-Material. Das fand sich auf dem bereits 2003 in Schweden erschienenen Debüt „Veneer“.

Schon da zeigte sich die zeitlose Qualität von González’ Liedern, die eben nicht die neue Weinerlichkeit bärtetragender Jungmänner an der akustischen Gitarre zelebrierten, sondern eine tiefere Emotionalität erkennen ließen. Diese Qualität hat González auf sein zweites Album „In Our Nature“ übertragen können, das zwar auch schon anderthalb Jahre alt ist, dessen zehn Songs aber den Schwerpunkt seines aktuellen Live-Programms bilden, mit dem er im Mousonturm in Frankfurt auftrat.

Neben der Fähigkeit, selbst in einem vollbesetzten Saal Lagerfeuer-Atmosphäre aufkommen zu lassen, beeindruckt sein Gitarrespiel. González’ Fingerpicking ist eher von der Spielweise lateinamerikanischer Gitarristen beeinflusst und lässt den klassischen Unterricht erahnen. Was einen reizvollen Kontrast zu den Melodien bildet, die Vorbildern wie Crosby, Stills and Nash, Tim Buckley und Paul Simon, vor allem aber Elliott Smith und Nick Drake die Ehre erweisen.

Dabei ist González kein Epigone, der den Folk der frühen 70er mit etwas Exotik neu aufkocht, sondern auf subtile Weise ein Erneuerer. Mit der ganz eigenen Rhythmik seines Gesangs knüpft der Schwede ein Band zur elektronischen Musik. Besonders nachdem der Perkussionist Erik Brodin und die Hintergrundsängerin Yukimi Nagamo zu González gestoßen waren, entwickelten manche Songs einen fast schon hypnotischen Drive, der zur kristallinen Reinheit der Melodien den faszinierenden Gegenpol bildete.

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