Klavier-Ass klimpert locker vom Hocker

Frankfurt - Hatte Fats Domino noch sein Klavier mit dem Bauch über die Bühne geschoben, so begibt sich der Flügel des Joja Wendt selbsttätig in Schieflage, was den technisch begnadeten Pianisten allerdings kaum stört. Von Klaus Ackermann

„Das Beste am Klavier“ bot der klimpernde Globetrotter in der ausverkauften Alten Oper Frankfurt locker vom Hocker. Dabei wie selbstverständlich aus dem Nähkästchen plaudernd und sein Publikum manipulierend, das ihm alsbald zu Füßen lag.

Schier Unspielbares zieht Wendt in seiner konzertanten Trilogie aus Boogie Jazz und Klassik ab – und das mit einer fast 100-prozentigen Trefferquote. Wenn dann bei irrwitzigen Tempi mal ein Ton verrutscht, wird genial darüber hinweg improvisiert. Dass auch jeder seine irrwitzigen pianistischen Ausflüge in wahrlich krummen Tonarten und mit einem Akkord-Pfefferminz, dass dem Jazzer das Herz aufgeht, mitbekommt, wird die Tastatur des Flügels auf eine Leinwand projiziert.

Ein paar Lichteffekte, unvermeidliche Trocken eis-Nebel und der bewegliche Flügel, beim „Alptraum eines Pianisten“ auch in Zweitauflage auf der Bühne: Sympathisch ist einem der Entertainer auf Anhieb, weil sich die Show-Ingredienzen in Grenzen halten und der Hamburger nicht nur seine Zuhörer, sondern auch sich selbst auf die Schippe nimmt.

Und angesichts seines Klavierspiels steht selbst hartgesottenen Konzertgängern das Maul offen, ob nun Boogie Woogie oder eine stilistisch präzise Paraphrase auf das Klavierspiel der Alt-Jazzer Art Tatum, Teddy Wilson und Oscar Peterson. Ob Dave Brubecks „Take Five“, die Carmen-Fantasie des russischen Pianisten-Genies Vladimir Horowitz, die Wendt noch aufstockt, oder eine von Gershwin persönlich autorisierte Kurzversion der „Rhapsody in Blue“, deren bluesigen Abgesang Joja Wendt mit dem Rücken zum Flügel spielt – allerhand los bei diesem Klavierabend der ungewöhnlicheren Art

Dabei wird so virtuos und einfühlsam improvisiert, dass man dem redseligen Hanseaten am liebsten sämtliche Kadenzen der Klavierkonzerte aus Klassik und Romantik zur Überarbeitung anvertrauen würde. Und beim finalen „Hummelflug“ (Rimski-Korsakow), den meine Saal-Nachbarin – wie übrigens andere Titel auch – schon an der verschwurbelten Ansage erkannt hat, gibt es so schnelle Repetitionen, dass der Flügel qualmt. Noch bei den Zugaben heizt der zum Popsänger mutierte Klavier-Virtuose die Partystimmung an, was sein Publikum erst recht toben lässt. „Das Beste am Klavier“: „Natürlich vom besten Pianisten“, liegt da nahe. In aller Bescheidenheit, versteht sich.

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