Ewig junger Klavier-Exzentriker

Frankfurt - Im spontanen Zugriff auf Stimm- und Stimmungslagen erinnert Thomas Dausgaard an den legendären Leonard Bernstein, der manch heißen Tanz auf dem Dirigierpodest wagte. Von Klaus Ackermann

Entsprechend hat das Danish National Symphony Orchestra gewissermaßen amerikanische Statur, ablesbar im vehementen Gestaltungswillen der von Dausgaard mit erzogenen Musiker. Kein Wunder daher, dass bei Pro Arte in der Alten Oper US-Star Tzimon Barto Dritter im Bunde ist, der dem berühmten Klavierkonzert von Edvard Grieg seinen Stempel aufdrückt.

Schon der Ablauf des Programms scheint auf den Kopf gestellt. Barto tritt erst nach der Pause an. Voraus geht Robert Schumanns „Rheinische“, zum Schluss treibt „Till Eulenspiegel“ (von Richard Strauss) orchestral Schabernack.

Das psychische Leiden scheint in weiter Ferne, in seiner Sinfonie Nr. 3 Es-Dur erweist sich Schumann als romantische Frohnatur. Vor allem bei den Dänen, deren Wiedergabe ein starker stimmlicher Durchzug prägt. Doch auch an schönen malerischen Momenten – die Hornisten haben ihren großen Tag – mangelt es nicht. Wie des Rheines Wellen sich klanglich kräuseln, entfernt sakrale Orgelmixturen anklingen und nach fröhlichen Trompeten-Tönen orchestrale Bravour den Beifall zwingend lockt. Wie an einem Leitstrahl gebündelt wirkt das, und hält – mit sanftem Nachdruck – selbst einen Eigensinner wie Barto an wenn auch langer gestalterischer Leine. Der reizt seine hoch emotionale Tastenkunst im Klavierkonzert a-Moll des norwegischen Schumann-Nachfahrens Grieg voll aus. So zwischen knallharter Klavier-Attacke, bei der auch mal etwas danebengeht, weil der ewig junge US-Boy noch mit Noten-Umblättern beschäftigt ist, und versonnenem Gesang.

Die bei aller Pianierkraft tiefgründige Kadenz wird zur Klavierfantasie, Bartos gehauchtes Pianissimo, auf harmonisch ebenso feinen Orchesterklang gebettet, entwickelt zielstrebig den poetischen Gedanken. Da wird final virtuos aufgezäumter norwegischer Volkston zum wilden Tänzchen, das beim Solisten sogar jazzig swingt, der auch in der Zugabe, ein Nocturne von Chopin, seinen Exzentriker-Status wahrt: Leiser, friedvoller und inniger geht es kaum.

Schließlich ein „Till Eulenspiegel“ mit Ecken und Kanten, der den international hohen Rang des Danish National Symphony Orchestra einmal mehr bestätigt. Viel Ehre legen der Hornist und die giftig spöttelnden Klarinetten für den Possenreißer ein. Instrumental derart plastisch zwischen behäbigem Marsch und Gassenhauer zum Mitpfeifen, als würde ein Straßen-Pantomime zur Volksbelustigung Gang und Gehabe eines Passanten nachäffen. Als Nachschlag gibt’s noch „Nimrod“ aus den Enigma-Variationen von Edward Elgar und wenig „Lohengrin“. Dann hat dieses Wunschkonzert endgültig erwärmt. Nur draußen ist’s immer noch kalt.

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