Klavierduo Grau/Schumacher im Rheingau

Vertrautes in neuem Licht

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Symbolbild

Geisenheim - Uraufführungen haben beim Rheingau Musik Festival Seltenheitswert. Eine kleine Neukomposition brachte nun das Klavierduo Andreas Grau undGötz Schumacher nach Schloss Johannisberg. Von Axel Zibulski

Beinahe nur ein Intermezzo, das Stefan Heucke, 1959 geborener und im Ruhrgebiet lebender Komponist, geschrieben hat, ein uneitles außerdem, weil in den „Variationen über einen Ländler von Schubert“ op. 64 konsequent der Themengeber ins Licht rückt.

So blättert Heucke in seinem jetzt uraufgeführten Werk Schuberts letzten der vier Klavier-Ländler D 814 gleichsam auf, entführt ihn in sechs Variationen vom schlichten C-Dur in ferne Harmonien, kräftigt die Wechsel von Dur und Moll, setzt die Tempi, bis zum Trauermarsch, in Extreme und würdigt ihn schließlich mit einer Fuge.

Andreas Grau und Götz Schumacher hatten das Werk in Auftrag gegeben. Und stellten es in Anwesenheit des Komponisten in einen sinnvollen Kontext, beginnend mit den acht eigenen Variationen Schuberts „über ein französisches Lied“ e-Moll D 624. Und was folgte, hatte ebenfalls nachschöpfenden Charakter: Maurice Ravel erstellte von seinem „Boléro“ ebenso eine Fassung für Klavier zu vier Händen wie Edvard Grieg von Teilen seiner Bühnenmusik zu Ibsens „Peer Gynt“ op. 23.

Grau und Schumacher, unter den Klavierduos ohnehin die Pioniere fürs Unentdeckte, Neue, Moderne, stellten geschickt das Ohrvertraute in neues Licht. Im Fall des „Boléro“ eine heikle Angelegenheit, weil sich die Farbspiele des Orchesters trotz variablem Anschlag und dichter werdender Akkordik kaum imitieren lassen. Und die Struktur ist ohnehin schnell durchschaut, auch wenn der Rhythmus mit seinen schnellen Wiederholungen eine pianistisch extrem gut bewältigte Herausforderung für Götz Schumacher an der Bass-Seite des Flügels bedeutete. Von dort aus stützte er auch die 15 Sätze, die er und Andreas Grau aus Edvard Griegs Schauspielmusik zu Ibsens „Peer-Gynt“ zum musikalischen Hör-Drama umformten, das dabei den Umfang der allbekannten Orchester-Suiten Griegs deutlich überragte.

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