Komponisten-Paar Schönherz & Fleer

Kleide mich in Liebe

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Auf Goethes Spuren: Richard Schönherz und Angelica Fleer im Gemäldekabinett des Goethehauses in Frankfurt.

Frankfurt - Das Frankfurter Komponisten-Paar Angelica Fleer und Richard Schönherz, mit dem „Rilke Projekt“ zu Ruhm gekommen, hat ein neues Album veröffentlicht. Von Detlef Kinsler

Angelica Fleer und Richard Schönherz zu Besuch im Goethehaus - da stutzen die, die wissen, dass das Frankfurter Komponisten- und Produzenten-Paar in den vergangenen zehn Jahren als Rilke Projekt über eine halbe Million CDs verkaufen konnte. Mit vertonter Lyrik zu eigens komponierter Musik auf vier CDs und mit prominenten Sängern und Schauspielern wie Montserrat Caballé, Nina Hagen, Wolfgang Niedecken, Patricia Kaas, Hardy Krüger, Mario Adorf oder gar Sir Peter Ustinov als Sprechern. Zweimal gingen die zugewanderten Hessen, sie aus Gelsenkirchen, er aus Wien, dabei auch fremd - mit dem Württemberger Hermann Hesse.

Jetzt wagen sich Schönherz & Fleer an ein neues Konzept. „Amo - Kleide mich in Liebe“ heißt das gerade veröffentlichte Album., auf dem sich erstmals Lyrik von zwölf unterschiedlichen Autoren aus drei Kontinenten und verschiedenen Epochen findet. Die Spanne reicht vom islamischen Mystiker Rumi (1207-1273) bis zur Singer/Songwriter-Legende Leonard Cohen, der gerade seinen 80. Geburtstag feierte. Mit Zeilen wie „Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer vom Meere strahlt“ aus dem Gedicht „Nähe des Geliebten“ ist Johann Wolfgang von Goethe prominent vertreten. Auch wenn nur die unteren Stufen der Treppe hinauf zum Musikzimmer und der Bibliothek im Frankfurter Goethehaus noch original sind, flößen sie den beiden Erfindern der Poesiemusik Ehrfurcht ein. „Wenn man bedenkt, wer da alles drüber gelaufen ist...“

Ziemlich unspannende Liebesgedichte

Jetzt also der Dichterfürst und andere respektable Reimeschmiede wie Peter Handke, Octavio Paz, Walt Whitman oder Rabindranath Tagore und ihre Sicht auf die Liebe auf CD. „Es war auch ein Wunsch der Plattenfirma, Liebesgedichte zu machen was wir im ersten Moment ziemlich unspannend fanden“, erinnert sich Angelica Fleer. „Wir kennen ja alle Erich Fried: ,Es ist was es ist...’. Da wollten wir uns nicht auch noch damit auseinandersetzen.“ Richard Schönherz, der klassisch ausgebildete Pianist, sah die Gefahr, „dass es Kitsch wird.“ Daher ließen die beiden den Vorschlag erst einmal sacken, machten sich aber dann doch behutsam an die Umsetzung. „Über all die Jahre der Beschäftigung mit Rilke war die Nähe zu Liebesgedichten ja schon da. Unsere Historie kommt noch dazu, wir haben uns ja über die Liebe kennengelernt. So gesehen war das Thema doch nicht so abwegig“, fanden die beiden schließlich heraus.

Dann wurden Bücherregale durchforstet, Texte ausgesucht, Ideen entwickelt, wie diese am besten musikalisch und mit welchen Stimmen umzusetzen seien. Danach galt es einmal mehr Kontakte aufzunehmen, Künstlermanagements und Verlage anzuschreiben. „Ein Riesenpuzzlespiel“, verniedlicht Fleer den organisatorischen Aufwand. Auf Musiker wie Ali Neander, Willi Wagner und Paul McCandless konnte man zurückgreifen, Akkordeonspieler Enrique Ugarte hatte man in der Band von Giora Feidman entdeckt, Oud- und Rahmentrommelspieler kamen neu hinzu.

So wirkt Musik auf unsere Körper

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Die Sänger Xavier Naidoo und Max Mutzke gehörten dagegen längst zur Familie, und Ulrich Tukur überzeugte man, den Leonard Cohen zu geben. Auch Katja Flint und die tibetische Nonne Ani Choying Drolma waren schon früher mit von der Partie. Die „Neuen“, so der amerikanische Schauspieler James Franco oder die deutschen Darsteller Peter Lohmeyer, Martina Gedeck und Jana Pallaske (letzter Kinoerfolg ironischerweise „Fack ju Göhte“), fügen sich nahtlos ins Gesamtbild ein, das mehr denn je ein subtiles Gebilde aus Pop, Poesie und Kammermusik mit Jazz-, Blues- und World Music-Farben geworden ist. „Für Leute, die sich nach Tiefe sehnen und übersättigt sind von all der Oberflächlichkeit“, hofft Schönherz und setzt auf die Liebe als globaler Sprache, die helfen kann, zu erkennen, was die Menschheit verbindet. „Das ist sicher eine Intention dieses Projektes“, so Fleer.

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