Ein kleines Schmuckstück mischt das Frankfurter Nachtleben auf

Inhaber Ansgar Fleischmann weiß worauf Frankfurt tanzt.

Eine seltsame Edelmetalllegierung bereichert das Frankfurter Nachtleben: „Silbergold“ heißt die kleine Diskothek, direkt in der Innenstadt und nur wenige Meter vom bekannten „Tigerpalast“ entfernt gelegen. „Den Namen haben wir aus einem Lied der Band ‚Jeans Team‘“, erläutert Betreiber Ansgar Fleischmann, der kein Unbekannter im Frankfurter Nachtleben ist.

Seit fünf Jahren ist er der Offenbacher Part des DJ-Trios „Les Yper Sound“, das bereits zahlreiche Lokalitäten der Mainmetropole mit schrägen Clubabenden beglückte.

Als DJ Beatris, der weibliche Teil des Trios, ausschied, da sie sich vollständig auf House-Musik konzentrieren wollte, stellte sich für Fleischmann und seinen Kollegen Cristiano Monteiro de Britto, alias DJ Cris, die Frage nach der künftigen Weiterentwicklung. „Wir waren frustriert über das Clubangebot in Frankfurt“, sagt Fleischmann, „wir legten im Sachsenhäuser ‚Clubkeller‘ auf, auf Unipartys, in der ‚Cantina‘ im Gutleutviertel und im ‚Nachtleben‘. Immer aber gab es einzelne Punkte, die uns störten.“ Durch eine Immobilienanzeige wurden sie auf die kleine Lokalität nahe der Konstabler Wache aufmerksam. Die Preisvorstellung des Vermieters kam der klammen Kasse von Fleischmann und seinem Teilhaber entgegen.

Kurz darauf wurden Schreinerarbeiten in Auftrag gegeben, Wände gestrichen. Heraus kam ein schlichter, dunkler Tanzraum mit Bar und DJ-Pult. An die Wand hinter der Tanzfläche werden Videos projiziert, vorzugsweise Science-Fiction-Trash. Im hinteren Teil findet sich die kleine, enge Raucherlounge mit einigen Sesseln und einem Kicker-Tisch. Das war‘s auch schon. Doch das Konzept fand rasch Anklang. Mehrheitlich Studenten und ein unaufdringliches Szene-Publikum tummeln sich in der überschaubaren Lokalität und vor allem auf der prall gefüllten Tanzfläche. Sie tragen Sneakers und Jeans oder Leggins mit Stiefeln. Die Stimmung wirkt ausgelassen, von mieser Laune keine Spur. Sowohl Jungs als auch Mädels haben ihren Spaß.

„Unsere Gästestruktur ist ganz breit angelegt“, erläutert der Offenbacher. Das Alter sei von der Musik abhängig. Manchmal kommen deshalb auch sehr viele junge Leute zum Tanzen. „An House-Abenden liegt der Altersdurchschnitt bei 25 Jahren, wenn Funk gespielt wird, kommen auch Ältere“, so der Betreiber. Ein Blick in das Programm lohnt sich, denn der Musikstil schwankt zwischen Elektro, Indie, Minimal, House sowie Drum‘n‘bass, Soul oder Psychedelic Funk. Jeden Monat stehen Fleischmann und DJ Cris selber hinter den Plattentellern, viele Abende werden aber auch von auswärtigen DJs gestaltet, unter anderem aus Darmstadt und Mainz. Anfänglich habe er sich nicht vorgestellt, dass es mit so viel Arbeit verbunden ist, einen eigenen Club zu betreiben, beichtet Ansgar Fleischmann. Teure Behördengänge, putzen, buchen, organisieren – es ist ein Job, der viel fordert. Doch er hat gute Laune und arbeitet nach dem Motto: „Langweilig soll es nicht werden.“

CLAUS WOLFSCHLAG

Silbergold, Heiligkreuzgasse 22, Frankfurt. Geöffnet freitags und samstags ab 23.59 Uhr, Eintritt 5 Euro.

www.silbergold.org

Kommentare