Rheingau Musik Festival mit Georg Friedrich Händels barockem Erlösungswerk „Messiah“ abgeschlossen / Reich an konzertanten Ereignissen

Klingende Heilsbotschaft kündet vom ewigen Leben

Helmuth Rilling, wiewohl freundlich lächelnd, forderte von seinen Musikern scharfe Tempi.

Noch ist es kein Gefühl wie Weihnachten, wenn Georg Friedrich Händels „Messiah“ Hochkonjunktur hat. Musikalisch sachlich, aber mit feinem Gespür für barocken Klang und dramatische Wenden machte Helmuth Rilling Christi Erlösungswerk zum erhabenen Schlusspunkt des an konzertanten Ereignissen reichen Rheingau Musik Festivals.

Unterstützt vom Festivalensemble Stuttgart aus jungen Choristen und Orchestermusikern sowie einem erlesenen Solistenquartett, deren himmlische Glaubenstöne in der akustisch großzügigen Eberbach-Basilika nachhaltig in Bann schlugen.

Die Textvorlagen zu seinem packenden, im 18. Jahrhundert in England entstandenen Christus-Oratorium hatte Librettist Charles Jennens aus dem Alten und Neuen Testament entlehnt. Von den Weissagungen der Propheten über Geburt und Leben Christi bis zu Tod, Auferstehung und Jüngstem Gericht ist das eine Heilsbotschaft vom ewigen Leben, mit lieblichen Arien und zielstrebigem Lobgesang, aber auch mit urmenschlicher Empörung angesichts der Leiden Christi. Ein Werk gläubiger Entrückung, dessen Popularität aus melodischer Einfachheit der Arien und Chöre resultiert, harmonisch geradlinig unterlegt und von machtvoller Fuge unterstrichen. Nicht nur in England ein göttlicher Schlager ist das „Halleluja“, ideales Beispiel für Rillings auf Objektivierung bedachte Gestaltung.

Unspektakulär und die dynamischen Spitzen früh erreichend, singt der Chor den vielstimmig aufgefächerten Hymnus. Starke Momente hat er in den präzise sich emporschwingenden, rhythmisch federnden Koloraturen und den dramatischen Wechseln von choralartigen Passagen zum enervierenden Einwurf. Es sind frisch tönende Stimmen, glasklar in der Höhe und den scharfen Tempi Rillings dauerhaft gewachsen. Von Sängern, die ihr Engagement schon in spontaner Körpersprache bezeugen.

Mit untrüglichem Formgefühl baut der Altmeister des mächtigen klanglichen Apparats die großformatigen Fugen, barocke Gläubigkeit fixierend. Zudem geht der immer richtungweisende Dirigent mit den Errungenschaften der historischen Klangforschung ausgesprochen behutsam um und meidet manches künstlich wirkende Ritual.

Bis zur finalen Hoffnung auf Unsterblichkeit wölbt sich ein umfassender gestalterischer Bogen, dem die Solisten zusingen. Allen voran der kanadische Countertenor Daniel Taylor, dessen für anrührende Klage prädestinierte Stimme kaum von einem Alt zu unterscheiden ist und der erneut beweist, dass Singen in dieser Höhe kein stimmliches Kunstturnen ist. Als kerniger Ora torientenor, emotional aufbegehrend in den Koloraturen, wieder kein künstliches Beiwerk, erweist sich der Texaner James Taylor. Allenfalls sein hässliches Einschleifen der hellen Vokale lässt sich bekritteln.

„Rejoice greatly“ (Jauchze und frohlocke): Für tief gründende gläubige Hingabe steht der leicht kehlige, von innen heraus glühende Sopran der Amerikanerin Robin Johannsen. Während der Bass des Frankfurter Opernensemble-Mitglieds Michael Nagy das Wort Gottes stimmlich eindringlich unterstreicht.

Wie immer auswendig dirigierend und leicht vorn übergebeugt steht Rilling am Pult, als wolle er seinen Musikern noch näher sein. In dieser Momentaufnahme scheint Händels „Messiah“ ein Vermächtnis ... KLAUS ACKERMANN

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